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wie ins leben "zurückfinden"?

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enola2:
wie soll ich anfangen- gut es geht mir ja so gesehen nicht wirklich schlecht- es kommen verbesserungen in kleinen schritten ich glaube mich mit einschränkungen "abzufinden" freunde mich mit den ärzten  noch immer nicht an
man meint sogar jetzt ich sei arbeitsfähig zwar nur viertelzeitig aber doch

mich plagen aber immer mehr die gedanken wie finde ich ins normale leben zurück?
ich bin so gar nicht negativ nein- aber ich bemerke mit schrecken dass so viele schlimme erlebnisse aus der op/krankenhauszeit mich einholen seit wochen

als beispiel
ich kann keine stunde mehr in einem geschlossen raum sein- klar ich konnte ja auch tagelang vor der op schon die station wegen gefahr nicht verlassen
ich kann nicht mehr schlafen wenns finster ist erst wenn die sonne aufgeht kann ich beruhigt einschlafen ( traumat. erlebnis direkt nach der op im aufwachraum, alleingelassen, schmerzen, niemand kommt, keinehilfe, kein monitor, keine glocke)

ich will zurück zur normalität und das geht grad überhaupt nicht und ich verstehs nicht
wie kann man erst ein paar monate danach so arg drauf sein

wohlgemerkt ich bin nicht traurig oder so ich fühl mich nur in so ner spirale und daneben ist eine schaukel da steht leben drauf um es mal bildlich zu veranschaulichen ;D

ich bin voll die psychotante.....

Lucie:
Hallo enola,

ich habe gerade nicht so auf dem Schirm, wie lange deine OP jetzt schon hinter dir ist. Aber egal, vielleicht kannst du mit meinen Tipps ja etwas anfangen.

Einige Punkte, die dich gerade belasten, hatte ich auch nach der OP. Zum einen wurde ich so nach und nach ruhiger, je länger ich wieder zuhause war. Dann hatte ich das Glück, dass mich eine Osteopathin begleitet hat. Durch ihre Unterstützung wurde ich viel, viel ruhiger und gelassener und so langsam wurde es besser. Vielleicht wäre solch eine Hilfe ja auch etwas für dich?

Ansonsten denke ich nicht, dass du eine Psychotante bist!

LG
Lucie

KaSy:
Mensch, enola,
Du hast seit Deiner OP außer diesem Hirntumor so viel anderen Mist durchgemacht, da wundere Dich doch nicht dass das Leben neben Dir rumschaukelt.
Du hast so viel kämpfen müssen - gegen Behörden und Gutachter und Zahnschmerzen und Epilepsie und das mit der Wohnung und und und - das hat Deine Psyche alles noch nicht richtig verarbeiten können. Die Angst aus der Aufwachraumsituation schleppst Du seit der OP mit dir rum, hast sie aber gar nicht zulassen können, wegen all der anderen Hiebe, derer Du Dich erwehren musstest.
Ich glaube, Du hast Dir für deine psychischen Probleme, die mit einem solchen lebensbedrohenden Ereignis durchaus entstehen können - und die Du jetzt wahrnimmst - noch gar keine Zeit nehmen können. Du willst jetzt rasch ins LEBEN zurück, weil irgendeiner Deiner Ärzte das meint und nun brüllt die Seele HALT. Auch wenn Du schon einige Ärzte bemühen musst und  Du nicht mit allen die besten Erfahrungen gemacht hast, eine Psychotherapie wäre jetzt durchaus angebracht, auch, falls Du Dich nicht bremsen lässt, berufseinstiegsbegletend. Lass Dir (vielleicht von den Epi-Ärzten) jemanden empfehlen. Und lass Dich drauf ein.
Du hattest zwischen den Störereignissen seit Deiner OP eigentlich noch nicht ausreichend Zeit, Dich körperlich und psychisch so zu erholen, dass Du das ganze Leben wieder voll anpacken kannst.
Geh es langsam an und mit Hilfe.
Und tu Deiner angstvollen Seele gerade jetzt viel viel Gutes - fang die Sonnenstrahlen, hol Dir Lichter ins Haus, genieß die goldenen Herbstblätter, verwöhn Dich mit Düften, lies was Schönes, nimm Dir Zeit zum Träumen bei Musik und guck von Deiner Dachterasse in die Sterne!
(All das nutze ich auch gerade - nur das Buch ersetze ich durch Hörbücher - auf meinem Weg aus dem Tief, in das ich auch immer wieder geschubst werde. Soll heißen, ich kann Dich verdammt gut verstehen.)
Bleib auf Deinem Weg voran, aber renne nicht.
Deine KaSy
 

enola2:
@kasy: danke für diese antwort. ich glaube du hast es auf den  punkt gebracht

ich weiss ich kann! nicht arbeiten ich bin auch nicht bereit für viele! dinge auch wenn ich gesund aussehe- nur leider sehen es die ämter und gutachter größtenteils anders

ich bin an der grenze und wie du schon richtig erkannt hast ich hab in den letzten 8 monaten!!!!! keine KEINE ruhe und verschnaufpause gehabt und die brauch ich schon dringend und ich muss gegen windmühlen kämpfen

aber das witzigste: mein hausarzt meinte ich solle doch mehr mit den hunden raus in die natur ( kann ich ja endlich..) weil es würde mir nicht schaden wenn ich ein paar kilo weniger hätt-LACH ;D ;D ;D ;D als ob mich das interessieren würde und für meinen seelenfrieden wichtig wäre- hihi

ich glaub ich geh nur noch zu meinem tierarzt der weiss was er tut- den kann ich euch auch empfehlen :D :D :D :D

KaSy:
Liebe enola,
ich kann Deine Empörung über deinen Hausarzt verstehen, auch über die anderen Ärzte, die Dir wenig oder gar nicht einfühlsam erscheinen.
Es hilft Dir allerdings nicht, Dich letztendlich auf den Tierarzt zurückzuziehen. Der kann Dir sicher sehr gut raten, er hat ja auch nicht die Aufgabe, Dir zu helfen und kann bedenkenlos Gutes sagen.
Du brauchst die Ärzte, die zum Helfen für DICH da sind.

Ich habe gerade eine für mich sehr bedrückende Phase hinter mir, wo ich von meinem Gynäkologen wegen einiger mir oberflächlich oder abwertend und sogar öffentlich bloßstellenden Äußerungen sehr enttäuscht war. Das weitete sich sogar auf seine Mitarbeiterinnen aus, wo ich plötzlich jede Bemerkung, die überhaupt nicht an mich gerichtet war, als feindlich ansah. Die paar Leute, mit denen ich darüber redete, sagten, dann wechsle doch den Arzt.
Das brachte mich dann eigentlich noch tiefer in die Verzweiflung, denn im Grunde wusste ich, dass er es keinesfalls schlecht mit mir meint. Ich habe mich mit diesem Vertrauensverlust so sehr herumgeplagt, dass ich irgendwann STOPP sagte und versuchte, die guten Seiten an ihm wiederzufinden, auch mir zu erklären, warum er gerade so reagiert hat, hab mir einzureden versucht, dass ich ihm vertrauen kann, dass er das Beste für mich will.
Aber erst ein Gespräch mit ihm, das mir lange-lange vorher heftige innere Aufregung brachte, konnte es erreichen, dass dieser seelische Ballast von mir abfiel. Es war einfach wieder möglich, so wie immer - also normal mit ihm zu reden.

Ich möchte Dir damit sagen, dass es durchaus vorkommen kann, dass Ärzte Dir zwar wirklich helfen möchten und auch versuchen, zu Dir vorzudringen, es aber einfach nicht schaffen, weil Du vielleicht mit einer zu hohen Erwartung zu ihnen gehst. Oder einfach mit einer anderen Erwartung. Der Hinweis Deines Hausarztes, durch Bewegung an der frischen Luft rauszukommen und sogar etwas abzunehmen, ist objektiv gesehen sehr gut gemeint. Natürlich ist Dein Körpergewicht Deine Sache und momentan das Letzte, was Dich bewegt (Das meine ich ernst.). Aber der Rat zielt darauf ab, auf diese Weise erste Schritte ins Leben zu unternehmen, die für die Seele so wichtige Sonne zu tanken, das Tollen mit den Hunden zu genießen (Er hat mit den Hunden doch genau das getroffen, was Dir gut tut!) - und auch zu DIR zurückzufinden.
Denn du musst auch wieder lernen, DICH ZU LIEBEN nach all den Erfahrungen auch mit der Trennung von Deinem Partner.
 
Wenn Du mal drüber nachdenkst, guckst Du Dich noch gern im Spiegel an? Wen siehst Du da? Dich oder ein Pummelchen mit Kopf-OP-Narbe und Wutfalten, das man einfach nur hassen möchte?

Auch hier spreche ich aus leidvoller Erfahrung - ich habe irgendwann alles aufgeschrieben, wieso ich mich lieb habe. Klingt irgendwie komisch und für andere vermutlich bekloppt - aber ich muss mich an diese 3 (ja, drei !) Seiten bewusst erinnern, wenn ich mich mal wieder total Sch.... finde, und das kommt auch nach langer Zeit vor, immer wieder ... Ich war sogar mal mit einem Brief von meinen oberen Chefs jammernd bei meiner Hausärztin und die hat mir an den einzelnen Sätzen erklärt, dass es bloß ein bürokratisches Schreiben ist und überhaupt nicht gegen mich gerichtet ist, sondern nur sachlich Dinge auflistet, die mich tatsächlich betreffen und dass es eine für mich prima Entscheidung für meinen eigenen Antrag enthält. So tief kann man in den Psychomauern gefangen sein, die man sich selbst aufgebaut hat.

Versuche mal, diese Psychomauern einzureißen, indem Du ein paar gute Seiten an Dir suchst und findest - und Du wirst merken, dass Du ein wenig stolz auf Dich und den Kopf höher tragen wirst und so auch den Ärzten gegenübertrittst. Denen solltest Du auch zugestehen, dass sie wirklich das Beste für Dich wollen, dass Du es aber noch nicht gemerkt hast. Such auch mal bei ihnen aus ihren Äußerungen das Gute und such die Ursachen für vermeintlich feindliche Hinweise. Vielleicht sind sie gar nicht böse gemeint?

Ich wünsche Dir gutes Vorankommen und sonniges Hunde-Rumtoll-Wetter!

Deine KaSy

Eigentlich kommen doch Hundefreunde immer recht leicht mit anderen Hundeliebhadern in Kontakt, nutze das doch, um mal aus Deinem In-sich-sein ab und zu rauszukommen.

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