HirnTumor Diskussionsforum

Sonstiges zum Thema Hirntumor => Psychologische Betreuung => Thema gestartet von: rit am 16. Juli 2008, 23:15:40

Titel: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: rit am 16. Juli 2008, 23:15:40
hi,

bei einer Diagnose (OP  02/08 bei meinem Mann), gleich welcher Art, gibt es doch verschiedene Arten der Krankheitsverarbeitung beim Angehörigen wie beim Patienten. Das Schimme ist, dass dies Zeit braucht, kostbare Zeit, deshalb wäre es gut, wenn man einiges darüber wüsste.

bei mir als Angehörige lief es bisher so ab:
Diagnose:  
1. Pase: gefangen in der Trauer
Handlungsunfähigkeit, heulen
Trauer über die Zukunft, Unfassbarkeit
z.T. Verdrängung
Wut: Warum wir, warum nicht die anderen?
Angst: Wie soll ich das alles schaffen?
Selbstmitleid: heulen
Ungerechtigkeit

2, Phase:
nach einer gewissen Zeit
Ablenkung durch Arbeit
Wissen ist Macht: es hilft , wenn andere die Diagnose ernst nehmen

3. Phase
Wandlung zur Handlungsfähigkeit
im eigenen Interesse: Arbeitserleichterungen
was kann ich für den Patienten tun.

4. Phase
Abfinden, annehmen der Erkrankung: realistisch einschätzen, was man noch machen tun, ohne Bedauern darüber, was man alles nicht mehr kann

5. Phase
pläne für die Zukunft machen: Bestattung, Vollmachten?(je nachdem wie der Patient es zulässt), was kann ich für mich machen.

Wie gehts weiter????


der Angehörige: hier mein Mann
1. Phase: sehr verletzend und agressiv
wollte alles noch allein machen, er hat sich oft übernommen

2. Phase: beinahe gefühlskalt, mag keine Berührungen

3. Phase: ist sehr sentimental, fühlt sich oft allein, möchte in den Arm genommen werden, allerdings wird die Krankheit noch verdrängt.

Bitte schreibt, wie sich euer Gefühlsleben verändert. Es scheint so, dass viele Dinge Zeit brauchen, dies scheint wiederum ganz unterschiedlich zu sein, je nach dem wie die Verfassung des Patienten bzw. des Angehörigen ist.

Ich freue mich von euch zu hören.
LG
Titel: Re:Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: gwendolyne am 17. Juli 2008, 09:46:10
Hallo felicitas,

ich habe damals (OP 01.03.07 mit anschliessender Menigitis - insgesamt 2 Monate Krankenhaus) an und für sich recht gut verarbeitet.

Ich war aber auch so 'gemein' und habe meiner Umwelt gesagt was ich habe und mir war es reichlich egal wie sie damit zurecht kommt.

Heute nach mehr als einem Jahr fangen bei mir die Probleme an, irgendwie ist die Kraft weg. Ich habe zur Zeit das Gefühl von einem Loch in das nächste zu fallen. Aber ich werde demnächst zu meinem Nervendoc marschieren und auch dieses Problem in Angriff nehmen.
Mir macht die Angst mein 'Karlchen Knubbel' könnte sich irgendwann wieder einnisten mehr zu schaffen als damals die Diagnose.

Ich glaube mir hatte meine 'Lebenswut' geholfen.

LG
Manuela
Titel: Re:Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: rit am 17. Juli 2008, 11:05:37
Danke für deine Nachricht Gwedolyne,

ich interessiere mich jezt zunehmend für diesen Bereich, weil ich denke, dass es sehr hilfreich sein könnte.
Schwierig wird es allerdings, wenn die Erkrankung so agressiv ist, dass die Zeit für die Krankheitsverarbeitung zu kurz ist.

Die Krankheitsverarbeitung verläuft in unterschiedlichen Stadien. Einen Hinweis fand   ich bei

http://www.fatigatio.de/index.php?id=26  
•   
•   Sorge
•   Angst
•   Leugnen
•   Vorübergehende Erleichterung
•   Frustration
•   Ungerechtigkeit
•   Wut
•   Kontrollverlust
•   Niedergeschmettersein
•   Hoffnungslosigkeit
•   Trauer
•   Bescheidenwerden
•   Verständnis

weitere Informationen

www.krebsinformationsdienst.de/leben/krankheitsverarbeitung/bewaeltigung.php
Das ist ein ZITAT!
>Flexibel reagieren
Die Ergebnisse neuerer Untersuchungen lassen die Schlussfolgerung zu, dass denjenigen Patienten die Auseinandersetzung mit der Krankheit besser gelingt, die je nach den Erfordernissen der Situation flexibel reagieren können.
Damit können völlig unterschiedliche Dinge zu unterschiedlichen Zeiten genau das Richtige sein: Wo am einen Tag die Informationssuche im Vordergrund steht, ist am anderen Tag vielleicht Ablenkung wichtiger. Manchmal muss man sich mit den eigenen Ängsten allein auseinander setzen. Manchmal möchte man sich lieber im Gespräch anderen anvertrauen und sich helfen lassen. Auch Verleugnung, also das „Nicht-Wahrhaben-Wollen“ der Realität, kann in bestimmten Phasen eine sinnvolle Reaktion darstellen, da die Angst möglicherweise sonst unerträglich wäre,. Zeitweilige Verdrängung erlaube es Patienten, sich mit der Diagnose Krebs im eigenen Tempo und schrittweise zu befassen, so die Autoren eines Übersichtsartikels vom 2006.
•   Orientieren Sie sich an dem, was für Sie selbst jeweils wichtig ist.
•   Nehmen Sie Ihre eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Vorstellungen ernst.
•   Entdecken Sie, was am besten zu Ihnen passt im Umgang mit den Belastungen, die Sie durch Krankheit und Behandlung erleben.
•   und finden Sie heraus, was Sie im Leben hält.<[/color]



oder einfach unter dem Stichpunkt "Krankheitsverarbeitung"


Jetzt nach einem halben Jahr kann ich mich als Angehörige damit auseinandersetzen. Ich habe jetzt Urlaub.

Wie ist erst bei einem Kranken?

Die Auseinandersetzung damit bedingt auch ein größeres Verständnis mit dem Kranken. Die persönlichen Verletztheiten treten in den Hintergrund.

Vielleicht schaffe ich es ja noch mir heute Bücher darüber zu besorgen.

Es wäre jetzt wichtig, die Krankheitsverarbeitung in Verbindung mit dem Krankheitsverlauf zu betrachten.

Für Ideen, Buchvorschläge wäre ich sehr dankbar.

LG

Bitte auf die richtige Zitierweise achten. Nicht einfach: KOPIEREN => EINFÜGEN, copy=>paste. Liebe Mitglieder, wir werden die größten Schwierigkeiten bekommen, wenn ... Ulrich. Siehe hier: http://www.mc600.de/forum/index.php?board=13;action=display;threadid=3067
Titel: Re:Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: gwendolyne am 18. Juli 2008, 15:17:04
Hallo felicitas,

ich hatte am 02.02.07 die Diagnose bekommen und lag am 01.03.07 unter dem Messer, also wirklich Zeit hatte ich nicht.

Wirklich helfen konnte mir kein 'Aussenstehender', wichtig war nur das Menschen die mir wichtig sind einfach da waren - und auch noch sind.

Die Palette ging von 'warum ich' bis 'okay das stehe ich durch'.
Mir hat tatsächlich meine Lebenswut geholfen, dieses 'von sowas lass ich mich doch nicht unterkriegen'.

Was einem zu schaffen macht, ist das man an die eigene Sterblichkeit erinnert wird, ich glaube das ist auch das Problem für die Aussenstehenden.

LG
Manuela

Titel: Re:Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: Cira am 18. Juli 2008, 18:13:59

meine ersten erkrankungen, magen-darm und das cogan-syndron,da habe ich einige zeit natürlich mit zu kämpfen gehabt,da war wut, traurigkeit usw. warum muss ich soetwas in so jungen alter schon haben...aber ich schaute nach vorn,habe gekämpft.. ständig an das denken,was nach der meinung der ärzte kommt wollte ich nicht und tat es auch nicht...ich war also noch voller hoffnung,das es wenigstens so bleibt wie es ist,war mir auch sicher, es bleibt so,wird nicht schlimmer....

als dann der tumor kam viele jahre später,da war es schon schlimmer, richtig heftig wut, tränen,ratlosigkeit und whns. angst, zwischen dignose und op waren aber ja paar wochen,nach der op sah mein verarbeiten so aus, das ding ist raus,ich hab damit nix zu tun, alles schön verdrängt, ein jahr später dann wurde es mir erstmal richtig bewusst was war,was noch davon da ist an beschweden usw.mir wurde klar,das ich alles einfach verdrängt habe,ich war ständig sehr nahe am wasser,tat mit mit einmal oft schon selber leid, was wieder dazu führte,das ich wütend auf mich war, also kämpfte ich gegen die erinnerung und kämpfte gegen das, was evtl. wieder kommen könnte...

zwischen alldem kämpfte ich dann immer wieder gegen anderes oder halt gegen das gleiche,was mal besser mal schlechter war, irgendwas war immer gesundheitlich, privat ganz zu schweigen, verarbeitet in verdrängen und auch immer in, ständig in bewegung sein, sport treiben bis zum weit über die grenzen,arbeiten, putzen usw. immer nur tun,um ja nicht denken, verarbeiten zu müssen...
das ging nun auch jahrelang so gut, irgendwie....

dann mein "umfall" der riss mich voll und ganz runter,auch da war dann erst wieder, KÄMPFEN, das wird, das schaffst du auch,hast ja alles geschafft...nur diesmal, leider nicht wirklich
 :'(
 ---wut, traurigkeit, hass und ich weiß nicht was noch alles---

nun kam immer mehr die zeit,wo noch mehr gesundh. probl.und private  kamen,ich nicht mehr diese mit stundenlang ackern,tun und machen verarbeiten konnte...da war es dann da, dieses meine güte wie sah,wie sieht dein leben aus, jetzt arbeitete es im kopf,der hatte ja nun zeit...

und jetzt, zur zeit ist das loch sooo tief, gesundheitlich, wo man meinen konnte, schlechter kanns ja nicht werden...ich habe mal wieder gehofft und gekämpft,habe seit ende feb. ein CI implantat rechts....dachte jetzt wird vieles besser, ( paar tage vor der op bekam ich von einem sehr netten vermieter einen mietvertrag,paar meter weiter meines alten zu haus,jippi, cira ist nicht mehr heimatlos :) wo ich nun seit ein paar wochen lebe) leider ist das hören mit dem CI nicht so wie es sein sollte, bin noch ständig in der implantierenden klinik unterwegs...dazu hat mich vor ca 4 wochen mein noch resthörendes ohr so gut wie verlassen...seit ca knapp 3 wochen sind auch noch andere sehr große gesundh. probl.da...mal heißt es stationär hoch cortison, oder..und endoxan(chemo)...heute hieß es uniklinik münster ...es geht mir zur zeit mehr als schlecht und ich habe auch keine hoffnung mehr :'(  kann das alles nicht mehr verarbeiten,

 das meine söhne sich so rührend um mich kümmern,immer da sind,auch in der nacht aufstehen wenns mir ganz schlecht geht und mir helfen,ich weiß,das sie es gern machen,immer für mich da sind,aber ich selber kann das alles nicht mehr ertragen,es sollte anders sein, kinder,egal wie alt,da sollten die eltern für sie da sein und nicht umgekehrt,einen vater haben sie schon lang nicht mehr( eigentlich nie wirkl. gehabt) ...wie verarbeitet man es,das die kinder immer für einen da sind ??? wie verarbeitet man so dieses ganze ungerechte leben überhaupt noch??? irgendwann kann man es garnicht mehr.....


wünsche euch allen hier im forum,alles erdenklich gute!!!

liebe grüße, eine wenigstens nicht mehr heimatlose Cira



liebe grüße,allen hier alles gute und vorallem gesundheit
Titel: Re:Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: Ciconia am 19. Juli 2008, 16:49:44
Bei mir war es so:

1. Reaktion: Erleichterung, das nach 1,5 Jahren Beschwerden endlich die wahre Ursache gefunden war. Aber auch das Gefühl, der Tumor muß raus, aber ich laß mir doch nicht den Kopf aufsägen!
2. Innerhalb von wenigen Tagen in die Klinik, aufgrund der Lage und Größe. Nur schnell raus, dann bin ich wieder die Alte.
3. Versuch schnell wieder arbeiten zu gehen - vollständige Belastbarkeit kehrt aber nicht zurück bis zum Rezidiv nach 2 Jahren.
Jetzt erst beginnt die wahre Verarbeitung, denn bis dahin nahm ich nach Auskunft der Ärzte an, ich sei nach der Op geheilt.

1. Enttäuschung über die falsche Prognose. Versuch zu klären, ob es tatsächlich ein Rezidiv ist, oder ein großer Rest der 1. OP - Keine Klärung bis heute.
Misstrauen in die Ärzte und auch andere gutmeinende Ratschläge Verwandter und Freunde.
Das Gefühl der Boden wird unter den Füßen weggezogen. Ein Schockreaktion (Starre) bis zur OP, die erst nach 4 Monaten stattfand.
2.Nach der Op: Wut und Trauer über das nun endgültig verlorene alte Leben incl. der Arbeit
(bin ja seitdem erwerbsunfähig). Geweint habe ich eigentlich nie - nur wenn ich allein war und bestimmte Musik hörte (das vermied ich dann bis ich wieder stabil war).
3. Erkenntnis: ich muß das neue Leben mit allen Einschränkungen annehmen und eine Gesprächstherapie.
4. Neue Hobbies (auch das Forum) und ein anderer Lebensentwurf muß gefunden werden.

Probleme in der Familie gibt es bis heute. Besonders wenn ich Kopfschmerzen habe, bin ich aggressiv, wenn man mich nicht in Ruhe läßt. Damit muß mein Mann wohl leben - es reagiert dann inzwischen so, dass er seine Joggingschuhe nimmt und läuft. Dünne Haut vor MRT´s und wichtigen Arztbesuchen. Das wird wohl so bleiben. Mein Probleme durchzuschlafen, habe ich akzeptiert und gehe auch nachts meinen Hobbies nach - bevor ich rumwälze und sich die Nackenschmerzen noch verstärken.

Ich denke aber, für meinen Mann und die Kinder ist es nochmal anders und wohl noch schwieriger. Immer Rücksicht zu nehmen, wenn man selbst aktiv sein möchte, ist wohl sehr schlimm auf die Dauer. Da hilft nur ein wenig Abstand ab und zu.

LG
ciconia


Titel: Re:Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: rit am 19. Juli 2008, 19:05:45
Danke für eure Beiträge und Danke an Ulrich für den Zitathinweis.

Nach dem 2. Chemo-Zyklus von Temodal, haben wir uns nun entschlossen beim Cortison keine Reduktion mehr vorzunehmen bis alle Zyklen durch sind, denn die Reduktionen wirken immer wie Drogenentzug: Beinversagen, HIrndruck, Kopfschmerzen Apathie, Schläfrigkeit, Antriebslosigkeit, bis hin zum Erbrechen.

Ich habe "wir" gesagt, weil ich den eindruck habe, dass wir immer mehr zusammen an der Erkrankung arbeiten. Je mehr er das Verdrängen aufgibt, desto mehr kann ich ihn verstehen. Natürlich hilft mir hier auch das Forum und besonders die Erkrankten im Forum, weil sie mit ihren Gefühlen und Erfahrungen mir Wissen mitteilen, was mir mein Mann nicht mitteilen will oder kann.

Vielen Dank

LG
Titel: Re: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: Ulrich am 09. Oktober 2008, 17:45:11
Hier ein paar "typische" Beiträge:

http://www.hirntumor.de/forum/index.php?board=39;action=display;threadid=1094

http://www.hirntumor.de/forum/index.php?board=22;action=display;threadid=559

http://www.hirntumor.de/forum/index.php?board=22;action=display;threadid=1465
Titel: Re: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: Ciconia am 10. Oktober 2008, 12:21:21
Hallo jabujoy,

herzlich willkommen hier im Forum.
Welche Art von gutartigem Tumor hast du denn?
Im Meningeombereich wurde auch schon öfter über ähnliche Probleme diskutiert. Du bist nicht die Einzige, vielen Betroffenen geht es ähnlich wie dir. :)

Lieben Gruß
Ciconia
Titel: Re: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: Bea am 10. Oktober 2008, 15:39:14
Hallo jabijoy,

auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum.

Die Frage ist natürlich auch die Definition von "gutartigem Tumor". Wir Betroffenen kennen uns mit der eigenen Krankheit auf Grund der Dauer und der Intensität relativ gut aus. Allerdings dürfen wir das nicht von unserem Umfeld verlangen. Wie auch?

Auch mir ist es so ergangen, dass ich erst einmal nicht wußte woher ich meine Informationen nehmen sollte. (Hier helfen Suchfunktionen). Rechte sind so eine Sache. Wichtig ist mMn. das was jeder Einzelne wirklich will. Und das hängt von dem ab was er/sie kann. Hier greift wieder mein meißt gebrauchtes Wort: Lebensqualität. Die ist wichtig.

Eines ist mir sehr wichtig. Wenn du eine Reha möchtest welche auf Psychosomatik ausgelegt ist, dann wähle sie gut aus. Meine Wahl war leider nicht die Beste und in unserer Situation braucht man es wirklich nicht auch noch eine Reha zu verarbeiten!

LG,
Bea

P.S. Vielleicht magst du ja ein wenig mehr über dich berichten.
Titel: Re: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: Bluebird am 10. Oktober 2008, 19:45:45
Hallo jabijoy!

Nun hast Du schon einige Antworten erhalten. Ich möchte aber auch auf Deine Vorstellung von einer psychosomatischen Kur eingehen. Du solltest Dich da vorher wirklich sehr gut informieren, ob die Leute in der Klinik (auch Tagesklinik) Erfahrung mit Tumorerkrankten haben. Ansonsten kann es Dir wie mir passieren, dass Du zwischen lauter Depressiven und Selbstmordkandidaten sitzt, für die jede Fliege an der Wand ein Grund zur Verzweiflung darstellt. Ich will die Krankheit Depression nicht runterspielen, aber oft sind die Auslöser wie bei uns Tumor-Betroffenen bei diesen Leuten nicht erkennbar.  Es sollte also eine Reha mit neurologisch-psychotherapeutisch ausgerichtetem Schwerpunkt sein. Vielleicht kann Dir Deine KK oder Dein Neurologe da behilflich sein.

Gruß
Bluebird
Titel: Re: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: schwede am 06. November 2008, 17:25:11
Hallo alle zusammen!
Krankheitsverarbeitung ist irgendwie immer sehr schwer zu beschreiben da jeder anders ist.
Also ich zumeinem teil möchte dazu sagen es ist jetzt Zwei Jahre her das ich die Op hatte, bei der ganzen Situation hat mir meine eigene Art und weiße geholfen, ich habe halt meinen eigenen Kopf.
Und ich muß alles selber Ausprobieren ich kann es nicht einfach so stehen lassen, wenn mir jemand sag das können sie nicht.
Das ganze kann in die Hose gehen aber dann habe ich es Probiert und dann auch meinen Frieden zu der sache. Aber jeden Tag kommen neue grosse Hürden ,Steine grosse kleine. Man muss einfach versuchen seinen Weg zufinden und voralem nimmals Aufgeben.
Die verarbeitung läuft bei mir sehr gut aus meiner sicht. Ich kenne auch welche die mir sagen ich sei noch lange nicht soweit.
Die frage ist doch dann, soweit ?
Wo muss ic den hin?
Es geht doch darum das jeder seinen eigenen Seelen frieden findet, und der sitzt nunmal bei jedem anders.
Also ich sage es so ich habe es Akzebtiert das ich inn habe, aber nochlange nicht alle seine folgen.

Fecilitas :
ich habe hier zwei Texte die von Angehörigen geschrieben wurden.
So wie die Zeit der Tumor Entdeckung war.

Kleine schwester text.
Große Sorgen vor der Diagnose mein Bruder hatte ständig Kopfschmerzen und war sehr Schwach!
Die Ahnungslosigkeit nicht zu Wissen was er hat,hat mir noch mehr Sorgen bereitet.
Das ging über mehrere Wochen und mein Bruder ist immer wieder zur Arbeit gefahren.
Dafür hatte ich null Verständnis, aber so ist mein Bruder. (-:
Nach der ganzen Ungewissheit bekam ich einen Anruf von meiner Mama das ich mir keine Sorgen machen brauche, wenn ich nach hause komme,da mein Papa mit meinem Bruder ins Krankenhaus gefahren ist.
Dann das Warten bis Papa wieder zu Hause ist und ich endlich weiß was mit meinem Bruder los ist.
Das erste warten hat ein Ende Papa ist nach Hause gekommen. Was ist Los ?
Erste Diagnose Schlaganfall erstmal ein Schock, mein Papa ist fertig, erstmal Papa  stützen.
Dann die weitere Erfahrung mein Bruder ist in ein anderes Krankenhaus gekommen um weitere Tests zu machen.
Wieder warten bis wir endlich Informationen vom Krankenhaus bekommen.
Dann endlich ein Anruf aus dem Krankenhaus.
Die Diagnose heißt Gehirntumor und das sofort operiert wird.
Als allererstes riesen Schock. Was?
Und vor allem warum!
Als nächstes große Trauer und gegenseitiger Trost untereinander (Familie&Freunde).
Jetzt wieder warten, Langes Warten.
Einfach nichts tun können, darauf vertrauen was andere (Ärzte) können, und dieses schlimme Warten.
Nicht schlafen, nicht zur Ruhe kommen, weil der Kopf mit tausend Gedanken gefüllt ist:
Wie läuft die OP?
Wass passiert danach?
Und wann hat das Warten ein Ende?
Einige Stunden später wieder ein Anruf aus dem Krankenhaus.
Kleine erleichterung die OP ist gut verlaufen der Tumor so weit Entfernt ohne Komplikationen.
Am nächsten Tag Familie und Freunde fahren ins Krankenhaus,Mama und Papa dürfen zu meinem Bruder.
Sie kommen wieder ins Wartezimmer, alle Weinen vor erleichterung die Ungeduld in einem bis man erfärt ja mein Bruder schafft das alles schon ihm geht’s gut.
Abends darf ich auch zu meinem Bruder mit Papa (Intensivstation).
Viele Emotionen wüten in mir:
Verzweiflung , mein Bruder sieht Tierchen, Blümchenetc. Weiß nicht ob ich Weinen oder Lachen soll.
Mitleid, Oh Gott er ist so schwach.
Hilflos, Ich kann nichts machen.
Wut: Warum?
Aus dem Krankenzimmer raus einfach nur Heulen,Heulen,Heulen
Im laufe der nächsten Wochen es geht Bergauf meinem Bruder geht’s besser.
Mein Bruder ist stark, nein unsere Familie und Freunde sind stark immer mehr Mut.
Große freude ist in unserer Familie das wir das alles so gut überstanden haben.
Wir sind Kämpfer, es muß weiter gehen und ich bin mir sicher es wird weiter gehen(-:
Positiv Denken (-:



Vatertext.
Am schlimmsten war die Zeit bis zur Diagnose.
Immer wieder Kopfweh bis nichts mehr geht, dann wieder alles gut und auf Wolke 7 kein Arzt kann sagen woran das liegt.
Eine nervenaufreibende Zeit die mit einem Tobsuchtsanfall ausgelöst durch die Kopfschmerzen und mit der Diagnose Tumor zu ende ging.
Es war an einem Samstag ca. 16 uhr der Anfall mit Notarzt ins erste Krankenhaus,Schlaganfall dann ins nächste Krankenhaus Diagnose Gehirntumor!
Diese Nachricht kam vom Chirurgen um 20 Uhr mit der Information noch in der Nacht zu Operieren die Kollegen wurden schon zusammengerufen.
Sicherlich kommen da große Ängste auf und auch die schlimmsten befürchtungen.
Insgesamt war es aber eine Erleichterung weil endlich etwas passierte.
Am Sonntag um 2,30 uhr der Anruf des Chirurgen der Tumor ist raus und es ist alles gut verlaufen, nach jetzigem stand der Dinge ist der Tumor sauber entfernt worden und würde nicht streuen.
Das ganze ist jetzt zwei Jahre her und seitdem ging es schnell Aufwärts.
Mein Sohn hat manchmal Probleme mit der Satzbildung und mit dem Denken, es hakt manchmal ein bisschen.
Körperlich ist soweit alles in Ordnung nur mit der Ausdauer und somit mit der Arbeit hakt es mehr als gedacht.
Über dem ganzen hängt für mich natürlich die ganze Zeit über die Angst wie es weitergeht und die Hilflosigkeit nichts richtig machen zu können.

Ich hoffe du kannst damit etwas anfangen
gruß schwede

Titel: Re: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: rit am 06. November 2008, 19:28:40
Hallo Schwede,

Krankheitsverarbeitung. Ich denke so anders als mein Mann, da habe ich im Nachhinein einen sehr großen Fehler gemacht.

Mir war nicht klar nach der relativ kurzen Beziehungszeit (3 Jahre) wie empfindlich er ist. Ich habe ihm zum Zeitpunkt des Rezidivs gesagt, dass er sterben wird und nicht mehr sehr viel Zeit haben wird.

Ich habe es gemacht, weil es mich sehr belastet hat, dass ich meinte, dasser vielleicht noch einige Dinge machen möchte. Er hat jedoch immer gesagt, das mache ich, wenn ich wieder gesund bin.

Jetzt hat er die Verantwortung selber, aber er kommt damit nicht klar. Und alles ist kaputt, unsere Beziehung, er steht zwischen mir und seiner Familie.

Für mich wäre es richtig gewesen, ich hätte alles wissen wollen, aber für ihn??? Was kann ich jetzt noch machen? Die Probleme, die ich habe, habe ich mir selbst eingebrockt.

Lieber Schwede, es freut mich, dass du gut aufgehoben bist. Mach dir nicht so viel Gedanken um mich. Ich werde hier weiter berichten.

LG
Titel: Re: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: petra61 am 02. Februar 2009, 09:25:33
Hallo Alle zusammen, wieder mal merke ich, bei mir ist doch noch alles "normal".
Ich wurde am 27.10. an einem Keilbeinmeningeom operiert, danach ging alles reibungslos weiter, schon 10 Tage später war ich in einer Reha und da hatte ich 6 Wochen ZeiT meine Defizite zu bearbeiten.
Als ich dann wieder zu Hause war, war ich voller Energie und Euphorie betankt, dass ich noch eine Woche Zeit alles zu geniessen und dann ging es den Berg hinunter, Selbstzweifel, ist wirklich "alles" rausgefrässt wurden.
Meine Familie hatte es auch unterschiedlich verarbeitet, es gab bzw. gibt Probleme, Angst und auch noch Sorgen.
Meine Neurologin möchte davon nichts hören, alles ist normal bei mir, soll' auf meinen Arbeitsplatz aufpassen, sonst ist der weg. Kollegen können reden, ich bin ja am Kopf operiert wurden........
Meine Hausärztin wiedersetzt sich ständig, wenn es um eine Verordnung geht, die ich brauche...
meine KK ist besetzt mir überfordernden MA, falsche Krankengeldberechnung, Mißverständnisse etc. ....... 
Mein AG steht bis jetzt noch hinter mir, zeigte auch Anteilnahme, also ich kann mich nicht beklagen, aber trotzdem, habe ich Ängste..... >:(
Titel: Re: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: Bea am 02. Februar 2009, 10:36:53
Hallo Petra,

Ängste sind mMn. völlig normal. Manchmal sollte man sich fragen ob das, was man leistet nicht schon für einen "gesunden" Menschen grenzwertig ist.
Dem Körper und auch der Seele mutet man eine Ausnahmesituation zu. Eine Hirn-OP ist der gravierendste Eingriff. Das will auch erst mal das Unterbewusstsein verarbeiten.
Bei den Komplikationen mit der Neurologin, der Hausärztin und der KK kann ich dir nur raten; sage ihnen ganz klar, dass sie sich deiner annehmen müssen. Andernfalls sollen sie dir jemanden nennen der das kann!

LG,
Bea
Titel: Re: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: Ciconia am 16. März 2009, 14:53:21
Ein Ansprechpartner wäre auch die Rentenversicherung, da du ja in den Arbeitsprozeß zurückkehren möchtest.
Da gibt es auch Möglichkeiten der Wiedereingliederung etc.
Das Integrationsamt kann auch manchmal helfen.
Ich mußte außerdem den Hausarzt wechseln, da ich auch große Probleme mit der Verschreibung der Therapien hatte. Mein neuer Arzt hat bei der KK und dem MD durchgesetzt, dass ich auch 6 Jahre nach der 2. OP noch regelmäßig Manuelle Therapie bekomme (außerhalb des Regelfalles). Man muß leider viel kämpfen, aber man braucht auch einen Arzt, der das unterstützt.

LG
Ciconia
Titel: Re: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: Kat_38 am 07. Juni 2009, 13:43:04
Hallo Zusammen.

Die Themen „Krankheitsverarbeitung“ und „Zukunftsangst“ gehören für mich ganz stark zusammen und sind bei mir noch immer das aktuelle Thema- nach fast einem Vierteljahr nach der OP. Und gerade hier stellt sich mir die Frage nach dem richtigen Verarbeitung-WIE und Angstbeseitigungs-WIE.
 Klar, jeder hat dafür sicherlich seine eigene Methode zur Verarbeitung entwickelt. Und man sollte dabei unterscheiden zwischen „verdrängen“ und „verarbeiten“. Ich will verarbeiten, das ist klar. Doch meine ANGST scheint mich irgendwie zu behindern.
Ich würde sehr gern, wie andere es gemeistert haben, mit der Zukunftsangst hinsichtlich eines Rezidivs umzugehen und wie sie die Krankheit mit allem Drum und Dran akzeptiert haben.

Ich habe lange überlegt, ob ich über mein diesbezügliches Gefühlchaos hier schreiben soll. Es ist so wirr und wirklich chaotisch. Doch dann habe ich mich dafür entschieden, es zu tun, denn allein das alles einmal aufzuschreiben, hilft vielleicht auch schon etwas weiter.

Wer das Bisherige von mir in diesem Forum gelesen hat, hat sicherlich gemerkt, dass ANGST sowieso für mich ein großes Thema ist. In dem Beitrag zum meinem OP-Ausgang vor einigen Tagen, habe ich meine neuste Erkenntnis mehrfachst betont, nämlich, Angst durch Respekt zu ersetzen. Und, schwupps, sei alles einfacher. Es ist nicht so, dass ich davon nicht überzeugt bin. Ich stehe wirklich auf dem Standpunkt, dass Angst ein schlechter Wegbegleiter ist. Doch die Umsetzung davon…..ein Desaster für mich! Ich bewundere jeden, der seine Angst im Griff hat!

Seit der OP rede ich mir ein, dass ich nun keine Angst mehr zu haben brauche. Laut OP Bericht sei ja der Tumor zu mehr als 98% entfernt worden. Nun, ist das auch so? Papier ist geduldig. Ein MRT wurde bisher noch nicht gemacht. Also fehlt mir der Beweis. Den erhalte ich Mitte Juni beim ersten Kontroll-MRT-Termin, also demnächst. Einerseits sehne ich diesen Tag herbei; und anderseits ist mir im Magen richtig schlecht, wenn ich daran denke und ich würde den Termin am liebsten verschieben.
Ich denke, ich brauche das MRT als Beweis für mich, dass wirklich alles entfernt worden ist. Doch schützt mich diese Erkenntnis vor der Zukunft?! Besiegt diese Erkenntnis die Angst vor einem Rezidiv?!

 Ich hoffe, dass nach dem MRT endlich dieser riesige Brocken Angst bezüglich eines verbliebenden Restes von mir abfällt und ich dann fröhlich, glücklich, die Welt liebend durchs Leben hüpfen kann. Vielleicht auch ohne weitere Angst vor einem möglichen Rezidiv! Denn DAS erwarten nämlich alle!
(Oder hoffen sie?!)
Alle, das sind: Meine Familie, Freunde, Bekannte, mein Hausarzt, von dem ich eigentlich sehr viel halte. Naja, und ich erwarte es doch auch!
Mein Hausarzt mich in dieser Zeit wirklich extrem unterstützt und ich bin ihm sehr dankbar. Doch für das Thema Angst hat er offensichtlich nichts übrig. Wahrscheinlich, weil bei ihm aufgrund seiner eigenen Todeserfahrung dieses unbeschwerte „durchs-Leben-hüpfen“ eingesetzt hat und er keine Angst mehr kennt oder nicht zulässt. Was weiß denn ich.
Aber mit seinem gut gemeinten Ratschlag, einfach mal Siddhartha von Hermann Hesse zu lesen und schon bin ich mit dem Leben wieder im Einklang und absolut angstfrei etc., komme ich nicht zu Recht. Sogar nicht weniger, es hilft mir nicht! Nicht, dass das Buch nicht toll ist. Aber ich bin nun mal kein Fan vom Fasten  ;)!  Nein, im Ernst, natürlich wäre es erstrebenswert, so empfinden zu können, doch ich kann es nicht. Aber müsste ich nicht genau das empfinden? Nach so einer überstandenden OP?! Müsste da nicht jeder glücklich und angstfrei sein und eine neue Lebenseinstellung mit überarbeiteten Werten haben? Automatisch? Wieso lähmt mich dann trotzdem diese Angst?

Vor der OP war ich auch kein wirklicher Optimist. Viele behaupten sogar, ich hätte stark ausgeprägte pessimistische Züge. Ich bin kein Angst-Typ. OK, und mein Glas ist öfters mal halb leer als halb voll. Das hat aber für mich nichts mit negativem Denken zu tun, auch wenn viele das anders sehen. Für mich ist es nicht verkehrt, vor einem halb leeren Glas zu sitzen. Ich finde das eher realistisch. Denn wenn was leer ist, fülle ich es nach, falls ich noch durstig bin und wenn nicht, dann wasche ich es ab und stelle es weg oder mache sonst was damit. Ein halb leeres Glas bewirkt bei mir ein Nachdenken, ein proaktives Handeln, denn bald ist das Glas leer und wie geht es dann weiter?
Bei einem halb vollen Glas mache ich nichts. Gar nichts. Nur weitertrinken. Ich denke noch nicht einmal. Deswegen ziehe ich die halb leeren Gläser vor. Deswegen bin ich aber nicht pessimistisch!

 Wie auch immer, die Welt und wahrscheinlich gerade ich, erwarten nun von mir, dass ich alles nur optimistisch, positiv und vorallem angstfrei sehe. Denn ich habe den Tumor, die OP überlebt. Eine zweite Chance erhalten. Und die auch noch im fast gesunden Zustanden, also mit sehr wenig Ausfallerscheinungen.
Man schaut mich an und erwartend ein Strahlen, das fröhliche unbeschwerte „Durchs-Leben-hüpfen“. Doch bisher ist es bei mir ausgeblieben. Ich verstehe das nicht. Was stimmt mit mir nicht?
 Dabei BIN ICH DANKBAR UND GLÜCKLICH! Unendlich dankbar sogar.
Dankbar dem Universum, dass ich die zweite Chance bekommen habe.
Den Ärzten, dass sie ihren Job zu hervorragend gemacht haben.
Meiner Umwelt, dass sie mich so enorm unterstützt haben.
Und meiner Familie, die alles für mich gemacht haben und weiterhin machen.
All diese Menschen will ich nicht enttäuschen und endlich loshüpfen….
 Ich will Ihnen sagen, Probleme und Angst gibt es für mich so nicht mehr, da ich ja nun die alles entscheidende Todeserfahrung hatte und daneben alles andere nichtig und klein ist. Aber so ist nicht. Ich kann es nicht. Die Angst vor dem, wie es weitergeht, vor dem, was kommen kann, ist einfach groß!

Die „Unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ war für mich immer nur ein Buch. Ein Buch, welches mir eine mir bis dahin fremdartige Lebenseinstellung gezeigt hat, die ich bewundert habe, auf die ich sogar neidisch war, die ich aber nie erreichen konnte. Das soll aber nicht heißen, dass ich mit einer tonnenschwere Leere und Sinnlosigkeit durchs Leben gehe. Ich bin jemand, der passend oder unpassend sehr temperamentvoll agiert und reagiert, leidenschaftlich das Leben lebt und liebt und im kulinarischen Bereich äußerst genießerisch ist. Mich macht die Natur glücklich, ich liebe das Wasser und bin daher in die Nähe von Wasser gezogen.
Doch ich bin auch jemand, der bei alles und jedem stets die W- Fragen stellt. Wieso, weshalb, warum. Ist etwas so? Manchmal kommt es mir vor, als ob die Sesamstraße bei mir einen bleibenden Schaden hinterlassen hat.  ;)

Sobald ich Antworten habe, Antworten, die mich zufrieden stellen, bin ich ausgeglichen ruhig und total relaxt. Aber erst, wenn die Antworten da sind. So, doch hinsichtlich des Tumors kann ich keine Antworten bekommen. Wie auch?!
Woher kam der Tumor?
Was hat ihn wachsen lassen?
Ist er wirklich weg?
Was kann ich aktiv tun, damit er nicht wieder kommt?
Was ist mit einem Rezidiv?
Werde ich das unbeschadet überstehen?
Und es gibt noch so viele Fragen…
 
Ich kann damit leben, wenn ich Antworten der Fragen die Vergangenheit betreffend nicht erhalten werde. Denn die Vergangenheit ist ja zum Glück überstanden. Doch die Fragen, die die Zukunft betreffen, möchte ich doch beantwortet haben. Eigentlich ja nur die eine: Was kann ich tun, damit das nie, nie wieder passiert? Ich weiß, dass ich damit leben lernen muss, diese Frage offen im Kopf stehen zu lassen. Doch wie?!

Mir ist natürlich klar, dass mir niemand diese Antwort geben kann, weder ein Arzt, noch Jemand aus dem Forum. Mir ist klar, dass ich mit dieser Ungewissheit leben lernen muss. Doch wie?

Und da bin ich wieder bei meiner Angst. Nichts zu wissen macht mir Angst. Hindert mich am Hüpfen. Lässt mich nicht strahlen. Und plötzlich werden auch andere, kleine und nichtige Probleme wieder zu großen Problemen.

Ich habe eine sehr interessante Frau kennengelernt, leicht esoterisch angehaucht, die mir auf Ihre Art klar machen möchte, dass nichts per Zufall passiert. Ok, das deckt sich mit meiner Ansicht. Doch das der Gehirntumor Ausfluss meiner falschen Leben- und Denkweise ist? Weil ich zu viel hinterfrage? Weil ich mich nicht der unerträglichen Leichtigkeit des Sein hingebe? Wenn DAS die Antwort sein soll, um ein Rezidiv zu vermeiden, dann gehe ich meinetwegen auch für eine Zeit zu den Mönchen, bis bei mir der besagte Groschen fällt, obwohl ich mich mit dem Fasten sehr schwer tun werde  ;)

In meinem Kopf herrscht offensichtlich das pure Chaos.
Ging das jemanden nach seiner OP auch so?
Wie hast Du Dich mit der Unwissenheit eines Rezidivs arrangiert?
Hat sich Deine Lebenseinstellung nach der OP total verändert?
Was ist, wenn das Ergebnis des MRT in knapp einer Woche doch nicht so positiv ist?
Ob ein psychologischer Psychotherapeut die richtige Adresse für mich ist?


Beste Grüße von der das schwarze Loch bekämpfende
Kat
Titel: Re: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: Ciconia am 07. Juni 2009, 14:24:54
Hallo Kat,
danke für diese ausführliche Schilderung, wie du dich fühlst.
Ich denke, viele erleben das so oder ähnlich. Mir ging es damals auch so. Jeder erwartete, das man nur noch glücklich nach vorne schaut und ins alte Leben zurückkehrt.

Du solltest tatsächlich das MRT abwarten und dich bis dahin versuchen, abzulenken. Wenn das MRT o.k. (davon gehen wir aus), sollte deine Angst nachlassen. Besteht die Angst weiterhin unvermindert, solltest du tatsächlich eine Therapie in Erwägung ziehen. Das mußt du dann einfach probieren und den richtigen Therapeuten finden. Probestunden nehmen und dann entscheiden.
Bestimmt hast du hier schon von der posttraumatischen Belastungsstörung gelesen, die mit vielerlei Symtomen einhergeht. Diese müssen nicht typisch depressiv sein. Aber anhaltende Ängste gehören dazu. Aber diese Diagnose muß ein Arzt stellen.
Wenn die Therapie nicht hilft, können auch vorübergehend Medikamente zum Erfolg führen. Wichtig ist die frühe Behandlung, damit es nicht chronisch wird.

Nun zu deinen Fragen:

Zitat
In meinem Kopf herrscht offensichtlich das pure Chaos.
Ging das jemanden nach seiner OP auch so?

Ja, sehr vielen Betroffenen geht es ähnlich. Eine Kopf-Op ist eine Ausnahmesituation, die der Körper erst verarbeiten muß. Körperliche und psychische Beschwerden können Monate danach noch anhalten. Das ist bis zu einem gewissen Grade normal. Gib deinem Körper Ruhe und Zeit.

Zitat
Wie hast Du Dich mit der Unwissenheit eines Rezidivs arrangiert?

Schwierig, da ich ja bereits ein Rezidiv hatte und wieder ein Wachstum sichtbar ist. Allerdings ist deine Ausgangssituation anders. Die Wahrscheinlich eines Rezidivs ist bei dir gering. Versuch erstmal davon auszugehen, dass du keines bekommst. Aber achte trotzdem auf regelmäßige Kontrollen.

Zitat
Woher kam der Tumor?
Was hat ihn wachsen lassen?
Ist er wirklich weg?
Was kann ich aktiv tun, damit er nicht wieder kommt?
Woher der Tumor kam, darauf bekommst du keine Antwort. Manche Dinge passieren einfach, sei es Pech oder genetische Veranlagung. Vielleicht findet die Forschung ja irgendwann eine Antwort. Die ständige Frage nach dem Warum wird dir nicht gut tun.
Versuche es abzuhaken, es ist einfach so. Das Leben geht weiter, wenn auch anders als zuvor.

Aktiv kannst du leider nichts Konkretes tun. Aber allgemein versuchen, gesund zu leben. Und regelmäßige Kontrollen.
Wenn du unbedingt etwas tun willst, schau hier nach alternativen Behandlungen, um ev. Beschwerden zu lindern. Erwarte aber keine Wunder davon. Das kann nur zusätzlich erfolgen.

Zitat
Hat sich Deine Lebenseinstellung nach der OP total verändert?

Ja, allerdings erst nach der Rezidivdiagnose. Nach der 1. OP versuchte ich schnell wieder ins normale Leben zurückzukehren, hatte ja auch 3 Kinder zu versorgen.
Die 2. Op war die Bremse, die bis heute noch angezogen ist. Alles weniger, langsamer... Aber man kann trotzdem Freude am Leben finden und auch mit der Diagnose leben. Man denkt ja nicht ständig daran.

Zitat
Ob ein psychologischer Psychotherapeut die richtige Adresse für mich ist?

Ja, versuche das unbedingt.

Lieben Gruß
Ciconia



Titel: Re: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: heifen am 08. Juni 2009, 10:31:26
hallo
die angst wird dich immer begleiten und du wirst dich nicht dran gewoehnen, bei jeder kontrolle kommt sie wieder zum vorschein
ich lebe seit1983 damit, du siehst, man schafft es irgendwie
eine optimistische einstellung bedeutet nicht, dass man der tatsache nicht ins gesicht blicken will
man soll sich bloss bewusst sein, dass auch die schulmedizin sich auf statistiken stuetzt
dabei sind wir alle verschieden voneinander
die medizin ist keine exakte wissenschaft
wenn du ein leeres glas vor der nase hast, suche eine flasche zum nachfuellen!
bacione
heifen
Titel: Re: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: Bluebird am 08. Juni 2009, 11:33:39
Hallo Kat.

" das Leben ist immer lebensgefährlich..."

Wir haben keinen Einfluss auf das, was uns erwartet. Das schreibt Dir eine Frau, die dankbar ist, dass ihr Meningeom beobachtet werden kann, deren jüngere Schwester ein geplatztes Hirnaneurysma überlebt hat, die zwei Verwandte hat, die nie geraucht haben und trotzdem Lungenkrebs bekamen.  Gerade diese letzte Erfahrung, wo zwei Menschen trotz einer ausgeglichenen, gesunden Lebensweise schwer erkrankt sind, zeigt mir, dass man seinem Schicksal nicht ausweichen kann. Nein, da hat niemand meiner Tante versprochen, dass sie fortan ein gesundes, glückliches Leben führen kann, nachdem ihr Mann an einem Glio starb.
Erst bekam sie Darmkrebs, nun Lungenkrebs und ich sitze an ihrem Krankenbett und schäme mich fast ein wenig, dass es mir mit meinem gutartigen Hirntumor wesentlich besser geht. Und was tut sie? Sie wünscht mir Glück für meine nächste MRT-Untersuchung Mitte Juni.

Heute überleben wir einen Hirntumor, seien wir dankbar, denn das heißt nicht, dass wir fortan von weiteren anderen Erkrankungen verschont bleiben, dass uns nie etwas zustoßen könnte.
Was bedeutet diese Ungewissheit für unser Leben? Sich im Bett zu verkriechen, sich nicht mehr aus dem Haus zu trauen?
Als ich die Diagnose Meningeom realisiert hatte, wurde ich von panischer Angst ergriffen. Todesfälle und Schwersterkrankungen in der Familie haben in meiner Seele Spuren hinterlassen.
Ich werde auch nie mehr unbeschwert sein, aber das Wissen um die Tiefgänge des Lebens nutze ich für mich, die Facetten des Daseins bewußt wahrzunehmen.
Ich interessiere mich auch für Themen der Esoterik. Krankheit deute ich nicht als Strafe, sondern als Chance, Pause einzulegen, Luft zu holen, zu sich selbst zu finden, die Grenzen der eigenen Belastbarkeit zu erkennen und die Menschen zu finden, die bei mir sind, wenn ich nicht lache.

Liebe Grüße
Birgit


Titel: Re: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: Kat_38 am 08. Juni 2009, 14:21:23
   @ Ciconia

Hallo Ciconia,
ganz lieben Dank für Deine vielen Antworten und Anregungen. Ich habe mich entschieden, mir auf jeden Fall therapeutische Hilfe zu suchen, auch dann, falls mich mein Hausarzt nicht dabei unterstützen sollte. Ich habe bereits herausgefunden, dass es bei mir in der Umgebung das Zentralinstitut für seelische Gesundheit gibt. Vielleicht werde ich ja dort fündig.
Du hast natürlich Recht, dass es leider keine bewiesene Möglichkeit gibt, ein Rezidiv zu vermeiden, sondern nur verschiedene gehbare Wege, die möglicherweise einen Einfluss haben könnten. Aber genaues weiß man nicht. Vielleicht noch nicht. Ich muss -wie auch immer- akzeptieren lernen, dass es nichts Konkretes, Bewiesenes gibt. Das wird ein hartes Stück Arbeit für mich, der alles bewiesen und belegt haben will!!
 Und dass ich dafür professionelle Hilfe benötige werde, habe ich, gerade an diesem Wochenende, erkannt.  Für mich der erste und für mich auch nicht gerade der leichteste Schritt, aber immerhin, es ist ein Schritt und einer in die richtige Richtung.

Ich glaube zudem an die Macht der Gedanken und werde weiter daran arbeiten, mich als gesunden, rezidivlosen Menschen vorzustellen, hoffend, dass das meine Zukunft beeinflussen wird. Das reduziert auch ein wenig die Angst. Es funktioniert nur leider noch nicht so einfach und in jeder Situation, wie ich das gerne hätte. Gerade bei den "schwarzen Loch Situationen" scheint es nur ein wenig zu helfen. Aber immerhin es hilft ein wenig!!
 
Du sagtest: Gib Deinem Körper Ruhe und Zeit! Ich denke, dass genau DAS das Hauptproblem bei mir ist. Ich setze mich sehr stark unter Druck, fit zu werden in sehr kurzer Zeit. Ich bin ungeduldig mit mir und meinen Fortschritten. Ich hatte genau dafür bzw. dagegen angefangen, die Fortschritte täglich aufzuschreiben, um sie auch vor Augen haben zu können. Um zu sehen, was alles Positives passiert. Und das hilft mir ein wenig mit meiner Ungeduld.
 Ruhe und Zeit! Das sind wirklich die Zauberworte für mich. Denn auch ich wollte so schnell wie möglich in mein altes Leben zurück. Mein Leben ist nicht durch Kinder geprägt, dafür durch unsere Selbständigkeit, die auch viel Zeit, Einsatz, "Liebe" und Kraft etc. fordert. Doch wenn die Kraft fehlt, fehlt sie nun mal. Ich kann aussetzen, was ich im Fall von Kindern natürlich nicht könnte. Meinen Mann das alles allein schultern zu lassen, ist unvorstellbar hart für mich. Auch wenn er mir die Zeit und Ruhe gibt und mich nie unter Druck setzt. Ich bin diejenige, die Probleme hat, sein "Geschenk " anzunehmen mit meinem mir eigenen "ständig-150%-geben -zu-wollen". Aber auch ich lerne dazu. Und auch dafür braucht es Ruhe und Zeit.

Ich danke Dir sehr für Dein Feedback und wünsche Dir alles Liebe, Kraft und Zuversicht weiterhin!
Kat


@ Jo

Hallo Jo,
auch Dir vielen lieben Dank für Dein Feedback. Mir ist an diesem Wochenende klar geworden, wo meine Fehler beim Versuch bewusster zu Leben (hinsichtlich Ernährung, Übergewicht, Fitness, seelisches Gleichgewicht) liegen. Ich denke, dass auch eines meiner Probleme dabei war (ist), alle Problemfelder auf einmal, sofort, in Gänze und beim ersten Versuch perfekt lösen zu wollen. Ich habe so einen verqueren Anspruch an mich. Tja, und die vielen Baustellen auf einmal zu lösen verbunden mit dieser panischen Angst, war an diesem Wochenende einfach zu viel.
Ich habe auch meinen Tagesplan mit meinen ToDo´s heute versucht so anzupassen, dass ich ihn auch abarbeiten kann. Dann werde ich mich diesbezüglich hoffentlich nicht mehr als Versagerin fühlen, da ich ihn dieses Mal zu 100% erfüllen kann. Aber das sind alles Dinge, die mir auffallen, wenn ich mental und emotional ganz weit unten bin. Positiv ist sicherlich, dass sie mir aufgefallen sind?!
Nun, ich habe viel zu be-, er- und verarbeiten. Dafür werde ich wohl auf professionelle Hilfe zurückgreifen müssen, besser: dürfen.
Was die Ernährung betrifft, muss ich auf jeden Fall reagieren, da ich auch unter Gonarthrose und leider auch Adipositas leide. An welchem "Krankheitsbild" ich meine Ernährung orientieren werde, weiß ich aber noch nicht. Fasten ist für mich nicht annehmbar, auch nicht, um nur mal kurz zu entschlacken. Ohne Essen bekomme ich irre Kopfschmerzen und werde unausstehlich. Das gibt sich auch nicht nach 3 Tagen..
Ich denke, wenn ich auch hier mit Zeit und Ruhe an die Dinge gehe und nacheinander Schritt für Schritt die Dinge anpacke, dann wird das schon klappen.

Weiterhin viel Gesundheit für Dich und Deine Familie und liebe Grüße, Kat
Titel: Re: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: Kat_38 am 08. Juni 2009, 14:58:41
Liebe Birgit,

vielen lieben Dank für Deine Gedanken zu meinem Kopfwirrwarr. Es war schon ein sehr belastendes Wochenende für mich.

 Mir war auch stets bewusst, dass das Leben schneller beendet sein kann als man erwartet z.B. durch den berühmten vom Dach fallenden Ziegelstein. Diese Situationen bereiten mir keine Angst, da sie für mich (ich weiß nicht, wie ich es besser ausdrücken kann) nicht Teil meines Lebens sind. Sie können mein Leben streifen, müssen es aber nicht. Einfluss darauf habe ich nicht. Daher "existieren" sie für mich nicht. Daher gibt es kein Grund für mich, mich zu verkriechen oder Angst davor zu haben.

Dieser Tumor jedoch hat mein Leben mehr als gestreift und ist somit nun bewusster und realer Teil meines Lebens geworden, der nicht fassbar, nicht kontrollierbar ist. DAS macht mir Angst. Dass ich etwas, was Teil meines Leben ist, nicht kontrollieren oder beeinflussen kann. Das ist neu für mich.

Ich werde mir einen Weg suchen und finden, wie ich genau das lerne: die Einflusslosigkeit zu  akzeptieren und Dinge auf mich zu kommen zu lassen, ohne in Panik zu verfallen.

Vor der OP war mir das Ausmaß des Ganzen in keinster Weise bewusst. Es ging damals alles so schnell, Diagnose, Kampf gegen die Angst, OP, Reha, etc... Ich muss für mich erst einmal das ganze RICHTIG verarbeiten, um dann den Weg der weiteren Akzeptanz der Dinge gehen zu können. Ich muss auch erst begreifen, dass ich keine Versagerin oder die Undankbarkeit in Person bin, nur weil ich von Jetzt auf Gleich kein neue, angst- und problemlose Lebenseinstellung durch die zweite Chance erhalten habe. Mit Ruhe und Zeit wird mir auch das noch gelingen.
 
Wie Du über Deine Kranken- und Leidensgeschichte und die aus Deiner Familie berichtet hast, hat mit den Eindruck hinterlassen, dass die körpereigene Kraft ( und es müssen sehr starke Kräfte bei Euch sein!!) richtig kanalisiert und genutzt werden und dass eine Akzeptanz der Situation, ein Arragenment, stattgefunden hat. Das finde ich sehr beeindruckend und ich bewundere Euch sehr dafür. Gerade wie Deine Tante das alles meisterst, ist mehr als beeindruckend! Es gibt sicherlich viele, die das nicht so meistern könnten und absinken und vielleicht sogar verzweifeln.

 Ich habe an diesem Wochenende gelernt, dass ich auch viel Kraft habe, diese aber zur Zeit nicht in die richtige Bahnen lenke. Aber, genau das werde ich versuchen zu ändern. Mit Ruhe und Zeit. Wenn ich was gelernt habe, dann das, dass auch hier "step- by-step" angesagt ist, für meinen mir eigenen Weg.

Ich wünsche Euch weiterhin die Kraft und Zuversicht, die Ihr braucht. Und Dir vorallem ein super Ergebnis bei Deinem MRT demnächst!!

Liebe Grüße
Kat
Titel: Re: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: Kat_38 am 08. Juni 2009, 15:08:40
Hallo heifen,

ja, Du hast mir das bestätigt, was ich befürchtet habe: die Angst wird nun auch ein Teil von mir werden. Ich denke, den richtigen Umgang damit zu erlernen, ist, sie nicht zu fürchten, sondern sie in Respekt umzuwandeln. Das könnte mein Weg werden.

Ich stehe erst vor meinem ersten Kontroll-MRT nach der OP, was für mich schon wieder eine neue Situation, eine neue Herausforderung bedeutet. Bei den nächsten Untersuchungen werde ich vielleicht etwas "souveräner" an die Sache gehen?!
Habe es das richtig verstanden, dass Du seit 26 Jahren regelmäßig zur Kontrolle gehst und zum Glück, nichts mehr festgestellt worden ist?? DAS ist ja fantastisch!!!!!! :D Ich freue mich sehr für Dich!

Auf jeden Fall begleitet mich beim ersten Mal mein Mann. Darüber bin ich sehr, sehr froh.
Ich werde berichten, wie s war!

Ich danke Dir für Dein Feedback.  Kraft und Zuversicht für Dich.
Beste Grüße
Kat
Titel: Re: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: Bluebird am 08. Juni 2009, 16:16:51
Liebe Kat,

Zeit ist ein hilfreicher Faktor. Jeder Mensch reagiert anders auf die eigene Erkrankung, aber ich glaube zu erkennen, dass es wichtig ist, sich mit ihr mental zu arrangieren, statt ihr nur den Kampf anzusagen. Hat man diese Phase geschafft, ist es nach meinem eigenen Empfinden wichtig, den Fokus nicht nur auf sich zu richten, sondern offen zu bleiben für die Probleme anderer Menschen. Dadurch wird das eigene Leid ein wenig relativiert und man kann langsam wieder Freude empfinden, vielleicht zuerst durch die Reaktion aufgrund der Hilfsbereitschaft.
Es ist ein harter Weg, nimm psychotherapeutische Hilfe in Anspruch, denn hier trifft man auf Fachleute, die emotionsmäßig nicht beteiligt sind wie etwa Partner, Familie etc.

Viel Glück
Birgit
Titel: Re: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: heifen am 09. Juni 2009, 09:56:27
liebe kat
mein biest waechst langsam vor sich hin , bin 2x operiert worden, leider nur teilresektion moeglich
man lernt damit zu leben, sicher ist jede kernspinto ein neuer stress
aber da ich mich sowieso an keine statistik halte,nehme ich auch die auswertung gelassen hin, man hat mir oft gesagt, dass ich nicht mehr lange leben wuerde, bisher haben sich alle geirrt und ich hoffe, es bleibt noch eine weile so
die kontrollen lass ich regelmaessig machen, die entscheidung, etwas zu unternehmen liegt in meinen haenden
bisher hat mein bauchgefuehl mich gut beraten
wenn es einem richtig dreckig geht, merkt man es schon
aber ich fuehle, dass bei dir alles ok ist
bacioni
heifen
Titel: Re: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: rit am 09. Juni 2009, 23:13:52
Liebe Kat,

ich bin immer noch mit diesem Forum verbunden, deshalb schreibe ich dir. Es gibt hier so viele Menschen, die in deiner Situation sind. Ich denke, dass sie dir die Power geben können mit der Angst umzugehen.

Die Angst ist Freund und Feind zugleich, genauso wie der Tumor. Auch, wenn ich dies hier schreibe, kann ich es nur als Angehörige schreiben. Meine Ängste waren anders.

Ich wünsche dir viel Kraft.

Es umarmt dich Felicitas
Titel: Re: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: Bea am 10. Juni 2009, 07:41:31
Liebe Kat,

Angst ist ein schlechter Ratgeber, aber auch ein Begleiter.
Natürlich kann ich in eine Meidetaktik verfallen indem ich die Angst (wenn sie merklich aufsteigt) überliste. Aber: versuche mal zu überlegen was jeweils das Schlimmste ist, vor dem du angst hast.
Mir hat das und die Auseinandersetzung mit dem Thema, welches mir Angst bereitet, geholfen.

Allerdings kann ich dir auch sagen, es hat mich bisher gelehrt meine Ängste ansatzweise zuzulassen und zu akzeptieren. Nur wenige Ängste sind ganz verschwunden.
Weiter bin ich anfälliger wenn ich ausgepowert und müde bin.

Ich denke, in solch einer gravierenden Situation befindet man sich auch auf einem schmalen Grat zur Depression - welche absolut legitim wäre.

Es kann auch helfen, wenn man sich der Dinge, die man erledigt hat bewusst wird und stolz darauf blickt = Zufriedenheit. Eine gute Lebensqualität und Sicherheit von denen die mir wichtig sind empfinde ich als bestes Schutzschild.

Liebe felicitas,

von euch Angehörigen können wir so viel lernen. Ich habe schon an anderer Stelle gesagt, dass ihr es mMn. nicht leichter habt als wir - im Gegenteil!
Und in Gesprächen kann man sich auch gegenseitig Ängste nehmen.

Alles erdenklich Gute,
Bea
Titel: Re: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: Gati am 11. Juni 2009, 09:52:43
hallo Kat, ich kenne diese Probleme. Hatte auch das Übergewicht und vieles andere gleichzeitig vor. Meine Psychologin auf der REHA hat mir gesagt ich sollte  mir nicht noch mehr Steine auf den Weg legen, als eh schon daliegen. Ich soll einfach versuchen mehr auf Rasen zu laufen ,irgendwie hat das für mich einen Sinn gegeben. Und ich versuche  immer daran zu denken. Wir haben alle genug Steine auf unserem Weg!
Alles Gute weiterhin
Gati
Titel: Re: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: Kat_38 am 15. Juni 2009, 11:49:20
Hallo Gati,

dass mit dem Übergewicht ist für mich zur Zeit auch kein wirkliches Thema. Das sehe ich genauso wie Du. Angstbewältigung und Eingliederung in mein neues altes Leben stehen zur Zeit an erster Stelle. Klar, für meine Arthrose ist es auch nicht gerade gut, mit zu vielen Kilos herumzulaufen.. Aber eins nach dem anderen. Das finde ich auch.
Ich weiss ja, woher die Kilos bei mir kommen. In der Reha, als man mir zwar geschmacklich langweiliges, aber dafür fettarmes Essen präsentiert hat und ich mich täglich, im Rahmen des Möglichen, bewegen musste, habe ich fast 6 Kilos problemlos verloren (in 5 Wochen). Ohne zu hungern und ohne was zu vermissen - außer dem Geschmack am Essen :-)
Ich denke, wenn ich erst einmal wieder richtig gehen und bewegen und dann auch wieder Autofahren kann, um ein Schwimmbad für die Wasserbewegung zu erreichen, dann verliere ich automatisch wieder ein paar Kilos. 
Sonnige Grüße
Kat
Titel: Re: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: Kat_38 am 15. Juni 2009, 12:11:09
@Felicitas

Liebe Felicitas,

ich danke Dir sehr für Deinen Kraftwunsch. Ich habe es an meiner Familie gesehen, wie groß die Ängste bei Ihnen waren und wieviel Kraft sie gebraucht haben, um einigermaßen damit klar zu kommen. Glücklicherweise war der "harte" Zeitraum relativ kurz und das Ergebnis grundsätzlich sehr positiv, so dass Angst bei ihnen keine lebensbestimmende Rolle mehr spielt. Ich kann mir vorstellen, wie hart es sie gewesen sein muss, für mich ständig die Starken zu sein, nur, um mir Kraft zu geben. Das Wiederbefüllen der eigenen Kraftreserven verlangt einem viel ab, deshalb möchte ich Dir auch diesem Weg auch viel Kraft und Energie für Deine Situation senden.

Beste Grüße, Kraft und Zuversicht
Kat


@ Bea

Liebe Bea,

für die Beschreibung Deines eigenen Weges zur Angstbewältigung vielen lieben Dank. Für mich ist es tatsächlich ein weiterer Ansatz, sich genau diese Frage nach der kontreten Angst WOVOR zu stellen und sich mit diesem Ergebnis versuchen, auseinanderzusetzen.
Was mir unterstützend bei der Angstbewältigung hilft, ist zu malen. Ich lasse mein Gefühlchaos durch Farben Gestalt annehmen. Hinterher betrachte ich das Ergebnis und denke darüber nach. (Das war auch ein erhaltener Tipp!!) Es ist interessant zudem  zu erfahren, wie andere das Bild interpretieren. Auch hier war mal ein Kommentar sehr hilfreich für mein weiteres Nachdenken.
Wichtig ist für mich, da stimme ich Dir zu, ein aktives Auseinandersetzen mit der Angst, die, und das sehe ich auch so, ein schlechter Ratgeber und hilfreicher Begleiter zugleich ist. 

Beste Grüße, Kraft und Zuversicht
Kat
Titel: Re: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: fips2 am 15. Juni 2009, 12:25:27
Hallo Gati

Was das Übergewicht und die kalorienreduzierte Kost angeht zum Abnehmen,sollte man nicht unbedingt traurig sein wenn nicht,oder nur wenig abnimmt.

Man muss sich immer vor Augen halten,dass Fett leichter ist als Muskelmasse.
Durch die intensive körperliche Belastung und gezieltes Training wird Fett zu Muskelmasse umgewandelt.In meiner letzten Reha waren Einige dabei,die trotz reduzierter Kost und ohne zu bescheißen, gewichtsmäßig zugenommen haben,bzw.kaum abnahmen.
Das bekommt man aber auch in den Vorträgen zur gesunden Ernährung erklärt.

Mit der geschmacklichen Zubereitung der Mahlzeiten ist es einfach so,dass man salzarme Kost nicht gewohnt ist.Beobachtet euch mal bewust selbst. Meist ist der erste Griff zum Salzstreuer oder zur Maggiflasche,weil man es einfach schon immer so macht. In Klinikküchen wird deshalb sehr salzarm gekocht.Nachwürzen kann man ja,aber das ist nicht unbedingt ratsam,da man das vom Körper benötigte Kochsalz schon ausreichend alleine durch die Nahrung aufnimmt. Wenn nachwürzen, dann nur mit Gewürzen ,Kräutern und keinesfalls Kochsalz.Der Blutdruck wird  es euch danken. Auch Ödembildungen werden durch das Kochsalz begünstigt.

Ach ja. Noch was.
Die Meisten bekommen noch nach der OP Kortison gegen die Ödembildung.Das Korti trägt ja auch noch zur Gewichtszunahme bei.Also wenn Korti auf dem Plan steht,nicht wundern,dass es mit dem Abnehemen nicht so klappt wie erwünscht

Gruß Fips2
Titel: Re: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: Kat_38 am 15. Juni 2009, 12:55:52
Liebe heifen,

nach dem ich Deine Email gelesen hatte, musste ich erst einmal kräftig schlucken und war mehr als sprachlos!
 Ich bewundere Dich sehr für Deine Kraft, Zuversicht und die Verlässigkeit Deines Bauchgefühls, die Dich mit Deiner Situation umgehen lassen. Deine Worte hinterlassen bei mir den Eindruck, dass Du Dich sowohl mit der Sitatuation selbst als auch mit der Angst "gut" arrangiert hast. Du strahlst so viel Stärke aus..!

Ich danke Dir sehr für Dein Bauchgefühl für mich. Ich werde berichten, wie mein "erstes Mal" war.

Ich wünsche Dir von Herzen weiterhin diese Kraft und Stärke und Bauchgefühl und vorallem für Dich sehr gute Untersuchungsergebnisse.

Beste Grüße
Kat
Titel: Re: Krankheitsverarbeitung
Beitrag von: heifen am 16. Juni 2009, 13:54:20
ganz deiner meinung
bacioni
heifen