HirnTumor Diskussionsforum

Sonstiges zum Thema Hirntumor => Krankengeschichten => Thema gestartet von: Mein Schatz am 26. Juli 2008, 10:02:02

Titel: Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: Mein Schatz am 26. Juli 2008, 10:02:02
Hallo Liebe Angehörige und Betroffene!

Entschuldigt bitte, wenn ich ein bißchen verwirrt schreibe, aber ich habe vorgestern erfahren, dass mein Freund (23 Jahre) ein Glioblastom IV im Stammhirn hat. Seine Beschwerden waren Kopfschmerzen und Schwindel, mehr nicht!  :'( Wir waren gleich bei einem Spezialisten dieser sagte uns, der Tumor ist iroperabel und man könne es noch mit Bestrahlungen versuchen, aber viel Hoffnung hat er nicht mehr. Momentane Überlebenschance 5 Mon. Wir sind alle sehr geschockt :'( Ich kann damit nicht umgehen, dass ich meinen Schatz in eine andere Welt gehen lass muss.Früher oder Später muss ich mich damit abfinden. Mein Freund wehrt sich aber gegen sämtliche Behandlungen, denn er ist der Meinung ist eh schon alles egal.  :'( Ich bin für ihn da und mache alles mit ihm, was er möchte, aber trotzdem darf er doch den Kopf nicht hängen lassen.  :-[ Eine Frage: Er möchte mit mir nochmal in den Süden fliegen. Geht das überhaupt? Ohne weitere Risiken? Wie sieht denn so eine Bestrahlun eigentlich aus?

Würde mich über Antworten freuen!

Sabi
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: rit am 26. Juli 2008, 12:05:20
Liebe Sabi,

erst einmal wünsche ich dir sehr viel Kraft für die nächsten Monate. Ich habe keine Erfahrungen mit dem Fliegen, aber erkundigt euch bei eurem Arzt, nimmt alle Medikamente mit, die die Symptome erleichtern. Sobald wie möglich, denn ab wann sind die Symptome so, dass es nicht mehr möglich wäre?

Eine Bestrahlung muss man gut überlegen, da sie sehr schlaucht. Hier muss man vielleicht genau überlegen, was wichtiger ist, ein oder zwei Monate mehr oder die Lebensqualität.

Ich denke, dass hier ganz offene Gespräche zwischen dir und deinen Freund und dem Arzt stattfinden müssen. Schreibt euch alle Fragen auf, man vergisst häufig etwas, was wichtig ist.

Er braucht dich jetzt sehr.
LG
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: fips2 am 26. Juli 2008, 12:17:31
Hallo Sabi
Nachdem ihr nun etwas den 1.Schock verdaut habt,oder noch daran knabbert folgende WICHTIGE Hinweise.

1.Eine Überlebensprognose kann KEIN Arzt der Welt stellen.Deshalb vergesst mal ganz schnell die 5 Monate. Es ist in meinen Augen vom Arzt unverantwortlich einen Zeitraum überhaupt zu nennen.
Wir haben hier genug Beispiele die die unterschiedlichsten Prognosen und auch krasse Gegensätze zu den Prognosen überlebt haben.
Einige sollten schon,wenn sie den Ärzten geglaubt hätten  und die Prognosen zugetroffen hätten,seit Jahren gestorben sein und freuen sich immer noch des Lebens und schreiben hier immer noch mit.

2.Inoperabel ist nicht gleich Inoperabel.
Für diese Klinik oder Arzt vielleicht.Aber es gibt bestimmt bessere Chirurgen und Kliniken,mit besserer Ausstattung,als den/die bei dem/der ihr seid.

Den ersten Schock und die Äußerung:"Es ist eh alles egal" ist durchaus nachvollziehbar nach diesem Tiefschlag.Diese Aussage haben bestimmt die meisten Betroffenen gemacht.
Ich würde an eurer Stelle versuchen erst mal zur Ruhe zu kommen und dann mit kühlem Kopf,sofern das möglich ist, einen kompetente Zweitmeinung einholen.
Schickt alle Unterlagen die ihr habt,als Kopieen an das INI in Hannover oder die Uni-Klinik Mainz oder Freiburg und erbittet um eine Stellungnahme,sprich Zweitmeinung zu der Erkrankung.
Mainz kann man per Überweisung besuchen,DAS INI in Hanover ist eine Privatklinik.Hier ist die Mail-Zweitmeinung,so weit ich das weis kostenlos und ein Beratungsgespräch mit Untersuchung kostet runde 100 Euro.
Operation im INI muss vorab mit der KK patientenspeziell abgeklärt werden.

Bitte werft die Flinte nicht zu früh ins Korn.Holt eure Zweit und Drittmeinungen ein.Dann macht noch mal einen schönen Urlaub um Kräfte zu schöpfen und geht es dann an.

Mit der Chemo weis ich jetzt nicht genau.
Ich für mich persönlich würde erst die Zweitmeinungen abwarten vorm Beginn der Chemo,nicht dass ihr euch eine Tür zuschlagt.So weit ich weis.ist nach einer Chemo oder nach einer Bestrahlung unter Umständen einen OP nicht mehr möglich.Dann wäre der Tumor wirklich inoperabel wie ihn der Arzt erst einstufte.
Auf ein paar Tage mehr oder weniger bis zum Beginn der Chemo wird es mMn jetzt auch nicht ankommen.

Es werden bestimmt noch andere Meinungen zu eurem Fall kommen.
Ihr könnt euch ja dann die euch sympatischste Variante aussuchen oder in die engere Wahl nehmen.

Gruß und Kopf hoch.Noch nicht ist aller Tage abend und die Hoffnung stirbt zuletzt.Man muss ihr nur die Luft zum atmen lassen.

Gruß Fips2


Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: klan am 26. Juli 2008, 12:22:29
Hallo Sabi,

wie kommt der Arzt auf 5 Monate? Ist er Gott? Bei meinem Vater der Glio IV hat haben die Ärzte gesagt das sie es nicht wissen wie lange er noch zu leben hat. Sie haben uns nur gesagt wenn er keine Bestrahlung und keine Chemo macht dann kann es noch 5 Monate oder auch nur 4 oder auch 6 sein weil die Statistiken es so sagen. Laut Statistik lebt man nach Strahlen/Chemo noch 12 bis 17 Monate länger... so die Aussage der Ärzte. Meinst Du nicht das würde sich evtl. lohnen?
Mein Vater hofft das er die Statistik verändern kann. Er will auf jeden Fall als positives Ergebnis dort erscheinen.
Und er macht gerade die Therapie. Mit Müdigkeit, Übelkeit und Kribbeln in den Armen. Aber er kämpt und will auf jeden Fall gewinnen....

Wie Felicitas schon schrieb, geht zu den Ärzten und fragt, fragt, fragt.

Viel Kraft für euch beide
Andreas
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: Mein Schatz am 26. Juli 2008, 22:22:12
Guten Abend.

Vielen Dank für diese Unterstützung.

Der Spezialist hat sich mit anderen Kollegen zusammen gesetzt und auch telefonisch Spezialisten kontaktiert und alle sind zu dem Entschluss gekommen, dass eine Operation nicht gemacht werden kann!!! :'(

Aber mit dem habe ich mich abgefunden, nur heute kam ein Schlag von dem ich mich als Freundin noch nicht erholt habe. Wir sind auf einen Berg, weil er meinte er müsste diesen noch einmal sehen und dann geschah es er bekam einen Anfall (epil??? Anfall) wurde mit dem Notarzt in die Kopfchirurgie geflogen und wurde ins künstliche Koma versetzt, weil er eine Hirnschwellung hat. Ich bin nach Hause gefahren um ein wenig zu schlafen und danach werde ich wieder in die Klinik fahren! Habe Angst, dass es zu schnell zu Ende geht.

LG Sabi
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: Bluebird am 27. Juli 2008, 09:25:27

Liebe Sabi,

was soll ich Euch wünschen? Ich hoffe, dass es Hilfe gibt, sein Leben zu verlängern.
Die Kopfklinik Heidelberg setzt neue Therapiemethoden bei GLIO-Patienten ein.
Vielleicht ist es eine Chance, ein Strohhalm...

Gruß
Bluebird
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: Mein Schatz am 28. Juli 2008, 00:14:10
Guten Abend.

Mein Freund ist zu den Engeln gereist. Gestern um 17:06 Uhr. Ich drücke allen die Daumen und wünsche Gute Besserung, an allen die es gerade brauchen.

Lg Sabi
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: fips2 am 28. Juli 2008, 06:53:18
Hallo Sabi
Ich bin sprachlos,dass es so rasend schnell ging bei deinem Freund.
Warum???-------

Die Antwort weis ganz allein der Wind.

Sei von ganzem Herzen still, tröstend umarmt.

Gruß Fips2

Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: Claudia17 am 28. Juli 2008, 08:16:02
mein herzliches beileid, viel zu früh für einen so jungen menschen

du musst das alles erst versuchen zu verdauen, vielleicht hilft es dir, dass ihm wahrscheinlich sehr viel erspart worden ist und dir viel erspart wurde. dieser tumor richtet sachen an, sprachstörungen, lähmungen, sehschwierigkeiten bis hin zur erblindung, persönlichkeitsstörung, aggressivität etc.  - je nachdem wo der tumor liegt, auf welche teile des gehirns er drückt - die nicht vorhersehbar sind und bei jedem patienten anders ausfallen und die patienten und angehörigen treffen wie ein faustschlag.
trotzdem viel zu früh

lg grüße claudia
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: Bluebird am 28. Juli 2008, 09:02:40

Liebe Sabi,

es ist unfassbar. Mir fehlen die Worte, es tut mir aufrichtig leid.

Liebe Grüße
Bluebird
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: Mirjam am 28. Juli 2008, 10:44:39
Liebe Sabi,
es ist schlimm und tut verdammt weh einen geliebten Menschen zu verlieren.

Ich wünsche Euch für die kommende Zeit viel Kraft und Stärke, verständnisvolle Menschen die Euch in schweren Stunden auffangen und begleiten.

Hier findest du auf jeden Fall Menschen die dir helfen, dich verstehen und dir zuhören!



Stille Grüße
Mirjam
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: Mein Schatz am 28. Juli 2008, 17:11:22
Hallo ihr Lieben.

Vielen Dank für die Herzliche Anteilnahme. Für mich ist es ein Trost, dass uns viel Leid erspart blieb. Ich konnte mich von ihm verabschieden. Nächsten Sommer werde ich auf den Berg gehen, denn er soo liebte und von ihm ein Foto aufstellen, sodass er immer auf seine Heimat blicken kann.
Ach es tut so weh....

Lg Sabi
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: tantenate am 29. Juli 2008, 10:50:23
Liebe Sabi,
fühle dich von mir ganz fest gedrückt!
Seit Monaten war ich "nur" ein Leser des Forums, aber deine Geschichte hat mich nicht nur (wieder mal) zu Tränen gerührt, sondern auch dazu gebracht, dir ein paar Worte als Trost zu senden.
Am 30.05.08 ist mein einziges Kind im alter von 36 Jahren an dieser grausamen Krankheit gestorben. Im vergangenen Jahr wurde am 06. September wie bei deinem Schatz die Diagnose Glioblastom IV, inoperabel, nach minimalen Beschwerden (Kopfschmerzen, Taubheit in der rechten Hand) gestellt. Da er noch so jung war, entschloss sich ein anderes Klinikum dennoch zur Operation, um noch ein wenig Zeit für ihn herauszuschinden.  Bitte glaube mir, wenn es auch schrecklich klingt, ich habe später wohl tausendmal gedacht "Wäre er bloß nicht mehr aus der Narkose erwacht".  Sicher wurde Zeit gewonnen, aber zu welchem Preis! Er war danach von heute auf morgen gelähmt, konnte nicht mehr sprechen, schreiben oder lesen und musste künstlich ernährt werden - und das Ganze aber bei voller geistiger Klarheit! Wir konnten uns nur noch über Mimik und Nicken bzw. Kopfschütteln verständigen. Da bei ihm die Krankheit einen untypischen Verlauf nahm, ist ere nicht etwa irgendwann friedlich weggedämmert, wie ich die ganze Zeit für ihn gehofft habe, sondern bei totaler geistiger Klarheit regelrecht verhungert, da der Tumor natürlich nachwuchs und irgendwann das Brechzentrum im Gehirn erreichte. Anfangs halfen noch starke Medikamente (die man auch bei  Chemo bekommt), doch bald war auch das vorbei und er behielt absolut nichts mehr im Magen. Ich habe neben seinem Bett gesessen und gedacht: Bitte, bitte stirb endlich, damit diese Quälerei aufhört.
Liebe Sabi, ich wollte dir das nicht schreiben, um mich zu erleichtern, sondern um dir nochmal zu zeigen, welches Leid deinem Schatz und dir erspart geblieben ist!
Ich hätte mir wirklich so ein gnädiges Sterben für mein Kind gewünscht.
Herzliche Grüße und mein tiefstes Mitgefühl
Renate
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: elu am 29. Juli 2008, 16:22:01
Liebe Sabi
Auch von mir,mein beileid.als ich eure geschichte gelesen habe,standen mir die tränen in den augen.es ist schlimm einen geliebten menschen zu verlieren.ich wünsche dir die kraft und viele gute freunde die jetzt in den schweren stunden zu dir stehen werden.alles liebe elu
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: elu am 29. Juli 2008, 16:26:56
Liebe Renate(tantenate)
auch deine geschichte hat mich sehr berührt.es ist schwer einen menschen zu verlieren aber dann auch noch das eigene kind was man unterm herzen getragen hat.ich hoffe das der schmerz den du im herzen trägst,eines tages für dich erträglicher wird.denke immer daran das dein sohn dir nur vorraus gegangen ist und ihr euch eines tages im himmel wiedersehen werdet.liebe grüsse elu
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: Mein Schatz am 29. Juli 2008, 19:33:16
Hallo Tantenate und Elu.

Danke für eure Beiträge.

ich weiß ich bin froh, dass es für ihn so ausgegangen ist, auch wenn ich mich noch im Alptraum befinde und mir die Sache noch nicht klar ist. Am Do ist die Beerdigung und alles geht an mir vorüber wie ein Schleier.

Ich habe mir mal die Nebenwirkungen von so einem Hirntumor durchgelesen und mir kamen die Tränen, als ich mir dachte, so hätte es meinen Freund auch gehen können!

Eine Frage, wie lange habt ihr gebraucht um das Schicksal annehmen zu können?

LG Sabi
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: tantenate am 29. Juli 2008, 22:20:11
Liebe elu,
danke wirklich von ganzem Herzen für dein Mitgefühl, die Wunden sind noch so frisch und ich bin körperlich und seelisch so am Ende gewesen, dass das Reden und das Verstehen anderer, die wissen, wovon man spricht einfach nur gut tut. Ich hätte wahrscheinlich viel früher anfangen sollen, mich aktiv auszutauschen.
Genau das habe ich meinem Jungen auch gesagt, als es ihm und uns klar war, dass nun das Ende gekommen ist. Ich hab ihm gesagt: "Geh schon mal voraus, wir kommen nach und du weißt dann schon Bescheid - vielleicht wirst du über unsere naiven Vorstellungen lachen, die wir jetzt haben. Auf jeden Fall sehen wir uns wieder, in welcher Form es auch immer sein wird."
Was verbindet dich persönlich mit diesem Forum?
Liebe Grüße
Renate
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: tantenate am 29. Juli 2008, 23:04:02
Liebe Sabi,
über deine Frage musste ich erst mal eine Weile nachdenken. "Mein Schicksal annehmen", wie soll ich das definieren , um es beantworten zu können? Seine Schicksal nimmt man bei dieser Krankheit mehrfach und doch nie an.
Ich glaube, dein Schicksal hast du zu ersten Mal schon angenommen genau in dem Augenblick, als du die Diagnose mit ihrer gesamten Tragweite wirklich realisiert hast. Im ersten Augenblick reagierte der Körper (so war es jedenfalls bei uns) wie mit Schock, ich fragte den Arzt nochmal, ob ich das richtig verstanden habe und wir alle drei waren noch nicht mal in der Lage, zu weinen, wir waren nur wie gelähmt vor Entsetzen. In der Nacht haben wir wohl keine Minute geschlafen, am nächsten Tag haben wir, wenn du so willst zum ersten Mal unser Schicksal angenommen. Wir sind zu unserem Sohn gefahren, haben uns alle drei in den Arm genommen und gesagt:"Was nützt es, wenn wir uns zerfleischen und von Angst auffressen lassen? Es wird nicht das kleinste Bißchen bessern! Also werden wir unser Leben so gut es geht gemeinsam leben und jeden Tag so nehmen, wie er kommt." Wir haben unserem Sohn, der wie wahrscheinlich jeder andere große Angst vor dem Sterben und wie es sein wird hatte,  versprochen, diesen Weg bis zum Ende mit ihm zu gehen. Dieses Versprechen haben wir gehalten (wir haben ihn an jedem Tag bis zu seinem Tod gesehen, wir haben ihn in den letzten drei Tagen seines Todeskampfes nicht eine Sekunde verlassen, ich habe danach mein totes Kind in den Armen gehalten und zu guter letzt die Urne selbst zu seiner Ruhestätte getragen.
Den wirlkich endgültigen Tod annehmen - was soll ich dir dazu sagen. Schlaue Bücher  sprechen von verschiedenen Phasen und ich kann das bisher nur bestätigen. Am Anfang war ich nur ganz uneigennützig froh, dass er keine Angst mehr haben und nicht mehr leiden muss.
Dann fing ich langsam an, die ganze Tragweite des Verlustes zu realisieren und gleichzeitig drehen sich immer noch meine Gedanken im Kreis - ich bin unglaublich wütend, wenn ich sehe, wie Leute mutwillig ihr Leben aufs Spiel setzen und sagen:"Mir doch egal!" Mein Sohn wollte so gerne auch mit seinen unglaublichen Einschränkungen noch ein bißchen leben und durfte es nicht. Ich bin so traurig, wenn ich daran denke, welche Banalitäten wir kurz vor seiner OP noch am Telefon ausgetauscht haben - wir wussten nicht, dass wir so das letzte Mal miteineander sprechen konnten. Es bricht mir das Herz, dass ich ihn so wenig trösten konnte, da er mir seine Ängste nicht sagen konnte und ich nicht wusste, was ihn bewegt.
Und ich bin unglaublich stolz auf ihn, mit welcher Würde und mit wieviel Kraft der sich nicht hat brechen lassen von diesem Ungeheuer in seinem Kopf.
Das einzige, was hilft, ist R E D E N - schluck nur nicht deine Trauer und deine Emotionen herunter, auch wenn sie anderen Leuten unbequem sind, du erstickst sonst daran. Und nimm dir Zeit, es wird nichts ungeschehen, du wirst nichts vergessen, aber die tiefen Löcher, in die du fallen wirst, werden seltener und die Trauer wird dich irgendwann nicht mehr wie wütende Wölfe überfallen, sondern gleichmäßiger und wie ein sanfter grauer Schleier.
Liebe Grüße
Renate
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: regilu am 30. Juli 2008, 10:33:20
Liebe Renate, hat Dich eigentlich schon jemand hier im Forum herzlich begrüsst?
Ich möchte Dich hiermit herzlich willkommen heissen!

Und: Zuerst mein herzlichstes Beileid an alle Angehörigen, die so schmerzlich über den Verlust eines Angehörigen trauern -müssen.

Auch ich habe gerade meine liebe Freundin an einem Glio verloren und muss trauern, mal wieder.
(Mein Mann wurde 05 an einem Meningiom operiert, hoffentlich lange, erfolgreich. Also kenne ich alle Ängste!)

Liebe Renate, Deinem Beitrag kann ich nur zustimmen, auch bei mir ist im Augenblick ein grosses Loch im Bauch!
Aber, da ich schon leider sehr oft mit Trauer kämpfen musste, weiß ich, dass man diese Trauer zulassen muss.
Nicht nur reden hilft (manchmal fehlt einfach eine gute Seele, die zuhört), sondern auch das Schreiben, zB. hier im Forum, oder auch privat.
Dann kann man seine schmerzlichen Gedanken beiseite legen, man muss ja auch noch die tägliche Arbeit verrichten.
Ich habe erfahren (man weiss es ja nicht vorher), dass es mir langsam nach und nach besser ging.
Dazu gehört auch "Das Loslassen"! Und auch das will gelernt sein!

Aber auch heute noch, nach Jahren rede ich im Geiste mit meinen Angehörigen

Allerdings: Ein Kind zu verlieren, das ist das Schlimmste, was einem passieren kann!

In Gedanken immer bei Euch
regilu
.

Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: Mein Schatz am 30. Juli 2008, 22:04:57
Hallo!

@Tantenate. Entschuldige bitte, wenn ich mich falsch ausgedrückt habe, aber ich stehe momentan noch sehr neben mir. Ich weiß ncht mehr ein noch aus. Ich stehe in der Früh auf, richte das Frühstück her und denke mir ach die Zeitung für meinen Schatz muss ich noch holen, dann stehe ich vor der Tür und denke, er ist ja nicht  mehr bei mir. In der Arbeit denke ich mir, ich muss ihn dann mal wieder anrufen, aber seine Nr. ist nicht mehr aktiv. Abends wenn ich vor dem Fernseher liege, möchte ich mit ihm kuscheln , aber er ist nicht bei mir. Ich denke Tag und Nacht an ihn. Die Frage Warum stelle ich mir bewusst nicht, Gott wird schon wissen, warum ausgerechnet er (und alle anderen) zu ihm haben müssen. Ich bin sehr viel unterwegs, aber irgendwie gerädert. Ich verrichte alles was ich zum verrichten habe, aber dennoch ist es mir nicht bewusst. Habe sehr viele Freunde, die wissen nicht wie sie damit umgehen sollten. Reden aber mit mir sehr viel, aber ich will nicht reden möchte sie damit nicht belasten. Eine ist unter ihnen die redet nur von ihren Problemen und dann denke ich mir wieder , sei still!!!!  :'(

Entschuldigt. aber ich muss aufhören zum schreiben. Mir gehts heute nicht so toll-.


Lg Sabi
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: mro01 am 31. Juli 2008, 07:45:05
Liebe Sabi,

wenn ich diese Dinge von Dir lese, laufen bei mir schon wieder die Tränen. Für die Angehörigen ist es natürlich ein ungeheurer Schmerz, einen lieben Menschen so schnell, wie in Eurem Fall, zu verlieren. Auf der anderen Seite ist es für Deinen Freund aber glaube ich „besser“, ihm (und auch Dir) ist wahrscheinlich vieles erspart geblieben.

Ich habe meine Frau vor 14 Monaten an dieser Krankheit verloren, sie ist auch nur 45 Jahre alt geworden. Sie hatte vom Tag der Diagnose an bis zu ihrem Tod einen 12 monatigen Leidensweg. Die ersten 4 Monate gingen noch, die restliche Zeit war eine einzige Katastrophe. Es sind beinahe täglich immer neue schlimme Dinge passiert. Einen Menschen auf diese Art und Weise über so einen langen Zeitraum jeden Tag etwas mehr sterben zu sehen, war einfach unerträglich.

Zwischendurch habe ich eine ganze Zeit lang hier nicht ins Forum geschaut, in letzter Zeit war mir aber einfach wieder danach, zumindest als stiller Leser. Mir fehlen auch jetzt 14 Monate nach dem Tod meiner Frau einfach immer noch die Worte, wenn ich Schicksale wie Eure lese. Ich bin in Gedanken bei Euch !

Liebe Grüße
Mathias

Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: Mein Schatz am 31. Juli 2008, 22:09:52
Hallo Mathias.

Danke für deine Mitteilung. Wir haben heute meinen Freund zu Grabe getragen und ich muss sagen, mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Ich bin innerlich viel ruhiger, weil ich weiß, dass es ihm dort besser geht, als wie es ihm hier in Zukunft gegangen wäre. Es ist einfach schrecklich wenn ich denke es waren zwei Tage wo wir noch miteinander reden konnten und dann war er schon nicht mehr unter uns, nur noch körperlich, aber geistig schon in der anderen Welt. Am Abend ist es am schlimmsten wenn ich daran denke, ach wie schön wäre es in den Arm genommen zu werden, aber leider kann ich dies nicht mehr spüren von ihm.

Hatte am Sonntag auch noch einen Autounfall, weil ich eben Gedankenabwesend in eine Leitschiene gekracht bin und das auf der Autobahn. Habe zwar noch mit den Nachwehen zu kämpfen, aber ich denke mir Metall kann man ersetzten.

Lg Sabi
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: hirschmuschl am 01. August 2008, 08:11:30
hallo meinschatz

ich möchte dir mein beinleid aussprechen und dir viel kraft wünschen.
dein freund ist jetzt in einer besseren welt wo es kein leid und auch kein schmerz gibt.
meine mutter passt jetzt auf ihn auf, heul
sie ist auch an einem glio verstorben und hat ihn an der pforte abgeholt und zu sich genommen.
ich bin auch so alt und könnte es nicht ertragen.
aber wer kann das schon...

ich wünsche dir nochmals für die zukunft al die kraft die du noch aufbringen musst, sei stark.

liebe grüße biene
Zitat
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: tantenate am 01. August 2008, 08:39:38
Hallo regilu,
danke für deine herzliche Aufnahme im Forum - du warst wirklich die erste, die mich begrüßt hat.
Es tur mir so leid, dass du auch schon zu denen gehörst, die um liebe Menschen trauern müssen, um so schöner ist es, dass du die Kraft und die Größe hast, anderen Mut und Beistand zu bieten.
Mein Sohn wird in Gedanken immer bei mir sein, manchmal ist mir, als würde ich ihn sagen hören: " Weine doch nicht Mu, mir gehts doch jetzt gut!", aber es ist so bitter, weil es noch so viele Pläne hatte, so gerne leben wollte und ihm zuletzt auch noch das Sterben so schwer gemacht wurde.
Liebe Grüße
Renate

Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: rit am 02. August 2008, 10:18:13
Liebe Sabi,

dein Schicksal hat mich so erschüttert, dass ich nicht antworten konnte. Es kommt mir jetzt so dumm vor dir noch Tipps für einen Urlaub gegeben zu haben. Ich kann nicht nur den vielen Beileidsbekundungen anschließen. Ich wünsche dir viel Kraft für die Zukunft.
Ich drück dich
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: Bea am 02. August 2008, 23:19:17
Liebe Sabi,

meine aufrichtig Anteilnahme.

Dir und deiner Familie viel Kraft. Möge die Zeit der Trauer schnell in eine Zeit der dankbaren Erinnerung übergehen.

Ein stiller Gruß,
Bea
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: Mein Schatz am 03. August 2008, 17:57:27
Hallo ihr zwei!

Vielen Dank für eure Anteilnahme. Mir geht es nach der Beerdigung schon viel besser. Ab morgen bin ich für drei Wochen in Peking mit meiner besten Freundin, aber ich werde mich brav bei euch melden und euch bescheid geben wie es mir so geht.

Ich kann allen nur raten, die einen lieben Menschen verloren haben, sich einen Platz in der Natur zu suchen wo sie für ihn eine Pflanze oder ein anderes Ding pflanzen/vergraben und wenn man reden möchte, dann braucht man nur zu diesem Platz zurückkehren. Ich fühle danach wieder wohler in meiner Haut!

Lg Sabi
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: Mein Schatz am 19. August 2008, 20:35:43
Hallo Leute!!

Es sind schon ein paar Wochen her, aber ich sags euch ich kann es nicht verstehen. Ich sitzet zuhause und denke mir ach wie schön wärs wenn du da bist usw.  :'( :'( :'( Wann hört das auf? Heute haben mich 3 Leute angesprochen, ob wir die Reise gut überstanden habe und dann musste ich alles wieder erzählen und dann kam eine schreckliche Nachricht. Mein Cousin mit 24 Jahre hat heute die Diagnose Glioblastom IV. ICh kann nicht mehr....

Lg
Titel: Bruder Glio IV
Beitrag von: Mein Schatz am 24. August 2008, 20:16:52
Hallo Leute!

Für mich ist am Fr eine Welt zusammengebrochen, was heißt zusammengebrochen ich lebe weiterhin aber wie in Trance.

Wie viele von euch schon wissen, ist mein Freund an einem Glio IV verstorben. Mein Bruder der ist 19 Jahre alt, hat seit ca 3 Mon. starke Kopfschmerzen und er vergisst auch immer wieder Sachen zu erledigen oder zu merken. Er wurde zuerst auf Migräne behandelt und dann nach einem Arztwechsel wurde ein MR /CT UNtersuchung gemacht und dann sah man einen Tumor in der Nähe vom Stammhirn. Es wurde eine Biopsie gemacht und dann bekamen wir die schreckliche Diagnose Glio IV.

Ist das alles Schicksal?
Ist das alles abgemacht?
Ist das alles nur ein Alptraum?
Ist das alles wahr oder nicht?

Ich habe keine Kraft mehr zuerst mein Freund und jetzt mein Bruder der immer soo sportlich ist und ein guter Schüler ist und alles perfekt hat. Da es bei meinem Freund sehr schnell ging, ist in uns zum Glück sehr viel erspart geblieben, aber wie geht das denn jetzt weiter mit meinem Bruder? Er bekommt eine Chemo, aber wie und wann, dass weiß ich selbe noch nicht, da wir 250km auseinander wohne und meine Mum mir noch keine Auskunft heute gegeben hat.  :'(

LG
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: elu am 24. August 2008, 22:08:50
Liebe Sabi
Das kann ja alles nur ein Alptraum sein.Erst dein lieber Freund,dann dein cousin und jetzt auch noch dein Bruder.ich bin schockiert und hoffe das es nur ein traum ist woraus du schnell erwachst.lg elu.
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: Bea am 25. August 2008, 08:01:53
Hallo Sabi,

es ist manchmal kaum zu fassen!
Quäl dich nicht mit den Fragen. Es gibt Wege im Leben die müssen wir gehen - ob wir wollen oder nicht. Antworten bekommen wir, wenn überhaupt, später.

Mir bleibt nicht mehr als dir von Herzen sehr viel Kraft zu wünschen und deinem Bruder die besten Ärzte und einen möglichst angenehmen Verlauf. Denn auch das gibt es.

LG & ein wenig Hoffnung sendet dir,
Bea
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: Caro am 25. August 2008, 11:01:37
Liebe Sabi,

ich kann kaum glauben, was Dir in letzter Zeit aufgebürdet wird. Ich finde nicht die richtigen Worte, möchte Dir nur sagen, dass ich Dich im Geiste in den Arm nehme.

LG Caro
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: alexhoppe am 25. August 2008, 17:33:22
http://de.wikipedia.org/wiki/Glioblastom
„Der Tumor tritt am häufigsten bei Erwachsenen auf; das mittlere Alter bei Diagnosestellung beträgt 53 Jahre. (...)Die Inzidenz liegt in Europa und Nordamerika bei 2-3 jährlichen Neuerkrankungen auf 100.000 Einwohner“

26. Juli 2008 10:02 Uhr : „Mein Freund (23 Jahre) hat ein Glioblastom IV im Stammhirn (sic!) . Seine Beschwerden waren Kopfschmerzen und Schwindel, mehr nicht!“

19. August 2008 20:35 Uhr: „Mein Cousin mit 24 Jahre hat heute die Diagnose Glioblastom IV. ICh kann nicht mehr....“

Gestern um 20:16: „Mein Bruder der ist 19 Jahre alt, hat seit ca 3 Mon. starke Kopfschmerzen und er vergisst auch immer wieder Sachen zu erledigen oder zu merken. Er wurde zuerst auf Migräne behandelt und dann nach einem Arztwechsel wurde ein MR /CT UNtersuchung gemacht und dann sah man einen Tumor in der Nähe vom Stammhirn (sic!). Es wurde eine Biopsie gemacht und dann bekamen wir die schreckliche Diagnose Glio IV.“

Also, „mein Schatz“, dieses Forum ist kein geeigneter Ort für Pseudogeschichten. Man darf nicht mit Ängsten und Mitgefühl anderer Menschen spielen. Es tut mir leid!
Titel: Re:Es darf nicht wahr sein
Beitrag von: Ulrich am 25. August 2008, 17:36:14
Danke für Deine Recherche, Alex.

Das Thema ist vorerst gesperrt.