HirnTumor Diskussionsforum
Sonstiges zum Thema Hirntumor => Kummerecke => Thema gestartet von: Lucie am 21. September 2010, 12:29:58
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Hallo!
Gestern fiel es mir zum ersten Mal auf - nach dem Duschen war der ganze Abfluß voll mit Haaren. Hatte ich dann aber wieder vergessen. Heute wieder das gleiche - alles voll mit Haaren. Seitdem fahre ich mir ständig mit den Fingern durch die Haare. Jedes mal sind um die 10 Haare draußen. Ich schiebe das jetzt mal aufs Temodal.
Bevor ich mit der Chemo begonnen habe, war es mir egal, was mit meinen Haaren passiert. Da konnte ich noch großkotzig sagen, die sie dann schon wieder nachwachsen werden. In meiner Vorstellung fand ich es nicht schlimm, keine Haare mehr zu haben. Heute nun könnte ich nur noch heulen, es ist so schlimm. Egal, wie ich dann damit herumlaufe - ob eben mit Glatze oder einem Tuch - jeder wird nun erkennen können, wie es um mich bestellt ist. Ich bin zwar bisher locker damit umgegangen, dennoch möchte ich gar nicht, dass dann jeder weiß, was ich habe. Ich fühle mich damit so verletzlich und nackt, so ungeschützt. Jeder wird mir dann mit Mitleid begegnen und das kann ich nicht gebrauchen, habe ich ja so schon genug Zweifel, ob alles gutgehen wird. Wenn einen dann noch die Menschen verrückt machen, werde ich wahnsinnig. Es reicht schon, dass mein Vater mir oft mit seinem Mitleid kommt. Er hat meine krebskranke Mutter bis zu ihrem Tod gepflegt, nun befürchtet er das gleiche bei mir.
Gut, dass wenigstens gleich die Kids aus der Schule kommen, dann werde ich hoffentlich etwas abgelenkt.
Seid lieb gegrüßt
Lucie
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Hallo Lucie,
ich kann sehr gut nachvollziehen wie Du Dich fühlst.Auch ich hatte gesagt...naja wenn es nur die Haare sind..ist nicht so schlimm...
Aber als es dann losging das ich doch etwas mehr Haarausfall bekam...wurde mir ganz anders.Es ist eben so...ohne Haare sieht jeder gleich das man krank ist.
Aber mach Dir keine Sorgen...ich glaube nicht das Dir die Haare ausgehen.Ich hatte zwar während der Chemo auch stärkeren Haarausfall...aber das hat sich alles wieder reguliert.
Außerdem ist es wirklich äußerst selten das unter Temodal alle Haare ausfallen.
Es kann jetzt auch an der jahreszeit liegen..bei mir war es im Frühjahr so..
Sei lieb gegrüßt und mache Dir nicht so viele Sorgen...
Winnewup
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Hallo Winnewup,
danke für deinen Erfahrungsbericht. Da will ich mal hoffen, dass ich gerade nur mein Winterfell bekomme. Werde mich bemühen, mir möglichst wenig Sorgen zu machen.
Danke dir und LG
Lucie
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Hallo Lucie und Winnewup,
auch ich weiß wie es sich anfühlt, bei mir begann es nach der Bestrahlung und nur auf
der Stelle wo drauf gestrahlt wurde, die wachsen nicht nach.
Im entdefekt, habe ich auf der rechten Seite eine ganz kahle Stelle, der Rest ist auf 3 mm
rasiert, also ganz nackt möchte ich dann doch nicht rum laufen.
Das Temodal hatte keine Auswirkung auf den Haarausfall.
josch
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Morgen Josch,
und gewöhnt man sich da irgendwann dran? Oder bleibt das Gefühl, sich nackt zu fühlen? Aber eine witzige Idee von dir, die anderen Haare so kurz zu machen.
Im übrigen würde ich schon gern ab Januar wieder arbeiten, falls ich das schaffen sollte. Aber ohne Haare - ist man da eine Zumutung für die anderen?
Einen schönen Tag und LG
Lucie
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Hallo Lucie,
Ich habe mich mit der Situation arrangiert, an der frischen Luft trage ich stets
eine Mütze. Zu Feiern oder andern Anlässen, mache ich mir kein Kopf ( hab ja schon einen :D).
Natürlich wird man erst einmal schief angeschaut ???, aber da gewöhnt man sich dran.
alles Gute für dich
lg josch
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Hallo Josch,
nach deinen Erfahrungen kann ich ja auch die Hoffnung haben, mich dran zu gewöhnen. Falls nicht Winnewup recht hat, dass es sich wieder reguliert. Schaun wir mal...... Letztendlich lasse ich mich wahrscheinlich zu viel von anderen in eine bestimmte Richtung drängen, die nicht gut ist. So rief nach meinem KH-Aufenthalt mein Vater an und fragte, ob er uns zum Essen einladen kann oder ob ich nicht unter Menschen gehen mag, so wie ich aussehe. Wenn das schon der eigene Vater meint, was sollen dann erst Fremde von einem halten? Eigentlich ist mir sowas egal, nur in dieser Situation sieht man eben bestimmte Dinge anders.
LG
Lucie
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Hallo Lucie,
Dein Vater hat sicher aus der Besorgnis um Deinen Gemütszustand gefragt und nicht gemerkt, dass die Äusserung Dich verletzt hat.
Manche Menschen sind halt so, dass sie hinstarren müssen, wenn jemand irgendwie anders aussieht als es der Norm entspricht. Im Nachhinein bewundere ich den Mut einer Tante (seinerzeit noch relativ jung), die mit einer "Strahlen-Chemoglatze" in die Öffentlichkeit ging, weil sie die Perücke nicht ertragen konnte. Hättest mal sehen sollen, wie die Leute im Restaurant guckten :o :o. Aber sie trug sie mit Würde und entsprechend flippigem Outfit.
Soweit muss es bei Dir aber erst gar nicht kommen.
LG
Bluebird
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Liebe Lucie,
es ist schrecklich, auch wenn man es sich vorher nicht vorstellen kann.
Sehr wenig Menschen haben nach meinem Wissen Haarausfall bei der Temodaleinnahme.
Wie dem auch sei; frag mal in der Onkologie nach. Es werden immer wieder Seminare angeboten in denen man lernt Kopftücher pfiffig zu binden und dem Gesicht ein wirklich nettes Outfit zu geben.
In diesen Seminaren bist du unter den Menschen denen es genau so geht und es tut der Seele gut wenn man anschließend schick in den Spiegel schaut.
Viele Grüße,
Bea
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@Bluebird: So, wie du von deiner Tante schreibst, war meine Einstellung. Jetzt, wo ich die ersten Haarbüschel in den Händen gehalten habe, sagt mein Verstand das zwar auch weiterhin, mein Herz ist dennoch traurig. Danke für dein Mutmachen!
@Bea: Nächste Woche bin ich wieder in der Klinik, da werde ich mal nachfragen. Danke dir!
LG
Lucie
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Hallo Lucie,
wie lange ist denn deine OP her? Bei mir ging nach ca. 3 Monaten 50% meiner Haare aus und ich hatte nur ne OP, keine Chemo. Das dauerte ca. 6 Wochen an, bis es wieder zum Stillstand kam. Ich hab zwischendrin auch mal geheult. Für Frauen ist das Kopfhaar wichtig, ich versteh dich gut. Fühl dich feste gedrückt und ich hoffe, daß es bald wieder aufhört.
Wenns dir hilft, rede mal mit deinem Arzt darüber.
Ich seh grade, deine OP war Ende Juni, also vor drei Monaten. Wenn Temodal nicht Schuld ist, dann liegts wahrscheinlich daran.
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@Bluebird: So, wie du von deiner Tante schreibst, war meine Einstellung. Jetzt, wo ich die ersten Haarbüschel in den Händen gehalten habe, sagt mein Verstand das zwar auch weiterhin, mein Herz ist dennoch traurig. Danke für dein Mutmachen!
Ich kann das sehr gut verstehen...man muss wohl selbst in der Situation stecken, um zu begreifen, wieviel einem das Haar bedeutet. Schließlich definiert sich ein großer Teil des Äußeren und des Wohlbefindes hierüber.
Tröstlich ist, dass die Haare in den allermeisten Fällen wieder nachwachsen. Meine Tante bekam sogar Wellen und Löckchen, wo sonst glattes Blondes glänzte. ;)